Eine Universitätsprofessorin wirft dem Kandidaten von US-Präsident Donald Trump für das oberste Gericht, Brett Kavanaugh, versuchte Vergewaltigung vor. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Washington Post sagte die heute 51-jährige Christine Blasey Ford, Kavanaugh habe bei einer Party Anfang der Achtzigerjahre versucht, sie zu vergewaltigen.

Übergriff durch Schüler "einer elitären Jungenschule"

Die Vorwürfe gegen den erzkonservativen Richter waren bereits in der vergangenen Woche bekannt geworden. Nach Angaben des New Yorker soll Ford sie bereits in einem Brief an die Demokraten geschildert haben. Nach Veröffentlichung des Interviews forderten Senatoren der Partei nun, den Prozess zur Nominierung von Kavanaugh zu verschieben. Der Kandidat selbst hatte sich bereits am vergangenen Freitag verteidigt: "Ich weise diesen Vorwurf kategorisch und unmissverständlich zurück. Ich habe dies weder damals in der Schule noch sonst irgendwann getan", heißt es in einer Mitteilung des 53-Jährigen.

Die zwei Jahre jüngere Ford – sie arbeitet an der Palo-Alto-Universität in Kalifornien als Professorin für Klinische Psychologie – schilderte nun der Washington Post, Kavanaugh und ein Freund hätten sie während einer Party in einem Haus in Maryland in einem Schlafzimmer festgehalten. Beide Jungen seien betrunken gewesen. Der Freund habe zugesehen, wie Kavanaugh sie aufs Bett gedrückt und versucht habe, ihr die Kleider auszuziehen. Sie habe versucht zu schreien, aber Kavanaugh habe ihr den Mund zugehalten. Ford konnte nach eigenen Angaben entkommen, als der Freund auf sie beide gesprungen sei und alle zu Boden gegangen seien.

Ford erklärte, sie habe nie über das Erlebte gesprochen. Ihrem Ehemann habe sie erst während einer Paartherapie 2012 davon erzählt.

In Teilen von Notizen ihres Therapeuten, die Ford der Zeitung zur Verfügung stellte, wird Kavanaughs Name zwar nicht erwähnt. Doch heißt es darin, Ford habe von einem Übergriff durch Schüler "einer elitären Jungenschule" berichtet, die später "hochgeschätzte und ranghohe Mitglieder der Washingtoner Gesellschaft" geworden seien. Tatsächlich besuchte der Jurist früher eine Privatschule für Jungen in Maryland, während Ford auf einer nahe gelegenen Schule war.

Dianne Feinstein in der Kritik

An diesem Donnerstag will der Justizausschuss des Senats darüber entscheiden, ob das gesamte Oberhaus Kavanaugh als neuen Richter am Supreme Court bestätigen soll. Der demokratische Fraktionsvorsitzende Chuck Schumer forderte im Lichte von Fords Interview eine Verschiebung der Abstimmung. Zunächst müssten die schwerwiegenden Vorwürfe untersucht werden, erklärte er. Seine Parteikollegin Dianne Feinstein, ranghöchstes Mitglied der Demokraten in dem Ausschuss, forderte eine Untersuchung des FBI.

Ein Sprecher von Chuck Grassley, dem Vorsitzenden des Justizgremiums im Senat, entgegnete, Kavanaugh sei bereits über mehrere Tage hinweg befragt und vom FBI durchleuchtet worden. Zugleich griff er Feinstein an, die schon seit Ende Juni von den Vorwürfen gewusst haben soll und die Sache dem Gremium schon früher hätte vorlegen können. "Das Ganze wirft eine Menge Fragen über Taktiken und Motive der Demokraten auf", sagte der Sprecher. Aus dem Weißen Haus hieß es, Feinstein starte "um fünf vor zwölf" den Versuch, die Bestätigung von Kavanaugh zu verschleppen.

Noch steht die republikanische Partei nahezu geschlossen hinter Kavanaugh. In einem Brief verteidigten 65 Weggefährtinnen aus dessen Highschool-Zeit den Supreme-Court-Anwärter. Er habe "Frauen immer mit Anstand und Respekt behandelt", hieß es in dem Schreiben, das Republikaner im Justizausschuss veröffentlicht haben. Zugleich stehen die Senatorinnen Susan Collins aus Maine und Lisa Murkowski aus Alaska unter enormem Druck von Gruppen, die gegen die Personalie mobil machen. Hintergrund ist die Sorge von Aktivisten, dass Kavanaugh als oberster Richter das Recht auf Abtreibung in den USA aushöhlen könnte.