Vor dem informellen EU-Gipfel in Salzburg hat die britische Premierministerin Theresa May die Europäer zu einem Entgegenkommen bei den Brexit-Verhandlungen aufgefordert. "Um zu einem guten Ergebnis zu gelangen, muss die EU jetzt, nachdem Großbritannien seine Position weiterentwickelt hat, das auch tun", schreibt May in einem Gastbeitrag für Welt. Brüssel und die Mitgliedstaaten müssten London in Gesprächen über ein Freihandelsabkommen genauso behandeln wie andere Drittstaaten.

Die Premierministerin verteidigt ihren Vorschlag, eine Freihandelszone zwischen EU und Großbritannien nur für Güter, nicht aber für Dienstleistungen einzurichten. Die Einwände der EU entsprächen nicht "der Realität von Handelsverhandlungen anderswo". Dieser Vorschlag war von EU-Seite als "Rosinenpickerei" zurückgewiesen worden. Zudem versucht May in dem Beitrag das Argument zu entkräften, Großbritannien wolle mit einem von EU-Regeln unabhängigen Dienstleistungssektor den Wettbewerb verzerren. Die geplanten Verpflichtungen sähen vielmehr vor, dass britische Firmen bei Dienstleistungen in der EU die gleichen Vorschriften wie einheimische Firmen befolgen müssten.

Außerdem bekräftigte May ihre Ablehnung einer Zollgrenze zwischen Nordirland und dem Rest Großbritanniens: "Keine Seite kann von der anderen etwas völlig Inakzeptables verlangen, etwa eine Zollaußengrenze zwischen Teilen des Vereinigten Königreichs – was auch kein anderes Land in dieser Situation akzeptieren würde."

May will am Abend bei einem Abendessen der Staats- und Regierungschefs der EU in Salzburg ihre Sicht der Dinge zu den Brexit-Verhandlungen schildern. Am Donnerstag diskutieren die anderen 27 EU-Staaten über einen Sondergipfel im November. Dann sollen die Verhandlungen über einen Austrittsvertrag mit London abgeschlossen werden, damit Großbritannien im März 2019 in einem geordneten Verfahren aus der EU ausscheiden kann.