Großbritannien will im Bereich Sicherheit auch nach dem Brexit eng mit der EU zusammenarbeiten. Das kündigte der britische Innenminister Sajid Javid in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an. Als Beispiele nannte er die europäische Polizeibehörde Europol, Auslieferungen auf Grundlage von europäischen Haftbefehlen und den Austausch von Informationen über das Schengen-Informationssystem.

Im Gegenzug würde die britische Regierung "die Kontrollfunktion des Europäischen Gerichtshofs über die EU-Instrumente" akzeptieren, sagte Javid. Die EU solle auf diesen Vorschlag konstruktiv reagieren. "Die Diskussion um das Brexit-Abkommen dreht sich um wirtschaftliche Fragen, die Sicherheit ist etwas vollkommen anderes", sagte der Minister. Zudem bekräftigte er, dass die rund 3,5 Millionen in Großbritannien lebenden EU-Bürger auch im Falle eines britischen EU-Austritts ohne Abkommen bleiben dürften. Zwar werde es dann keine Freizügigkeit mehr geben wie bisher, jedoch auch keinen Visazwang.

Britischen Medienberichten zufolge könnte Premierministerin Theresa May auf dem Parteitag der Konservativen eine harte Linie gegen EU-Einwanderer ankündigen. Bei der Zusammenkunft, die am Sonntag in Birmingham beginnen soll, wird May auch auf ihre größten Widersacher, Ex-Außenminister Boris Johnson, den früheren Brexit-Minister David Davis und den einflussreichen Parlamentarier  Jacob Rees-Mogg treffen. Alle drei fordern einen klaren Bruch mit der EU und versammeln viele Hardliner um sich. Johnson wird am Dienstag eine Parteitagsrede halten, May am Mittwoch.

Toyota droht mit Drosselung der Produktion

Großbritannien will die EU in sechs Monaten verlassen. Die Verhandlungen über ein Austrittsabkommen stagnieren allerdings. Es droht ein ungeregelter Austritt ohne Abkommen, was viele Lebensbereiche und die Wirtschaft treffen würde. Für diesen Fall hat nach anderen Autoherstellern nun auch Toyota angekündigt, in dem britischen Werk Burnaston vorübergehend die Produktion herunterfahren zu müssen.

May will für die Zeit nach dem Austritt eine Freihandelszone mit der EU für Waren schaffen, nicht aber für Dienstleistungen wie etwa Bankgeschäfte. Ein weiterer Streitpunkt der Verhandlungen ist die künftige Ausgestaltung der Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland. Die frühere Bürgerkriegsregion gilt als sehr fragil, derzeit ist die Grenze im grünen Hügelland unsichtbar.

Wegen der vielen ungelösten Fragen wächst in der Bevölkerung einer Umfrage zufolge die Skepsis. In einer repräsentativen Erhebung im Auftrag des Nachrichtensenders Sky News gaben 56 Prozent der 1.070 Befragten an, dass der Brexit schlimmere Folgen haben könnte, als sie bei der Abstimmung vor zwei Jahren dachten. Nur neun Prozent gehen von einem besseren Ausgang aus, gut ein Viertel änderte seine Meinung nicht. Auch von denjenigen, die für den Brexit gestimmt haben, gehen laut der Umfrage inzwischen 43 Prozent nicht mehr von so positiven Folgen des EU-Austritts aus wie noch zur Zeit des Votums. Nur 15 Prozent sehen die Zukunft nun noch positiv, etwa ein Drittel hat seine Meinung nicht geändert.