Österreichs ehemaliger Bundeskanzler Christian Kern will bei der Europawahl im Mai 2019 als Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) antreten. Das sei für ihn damit verbunden, den Parteivorsitz spätestens nach der Europawahl abzugeben, sagte Kern. Zuvor hatte die SPÖ noch Medienberichte bestätigt, der 52-Jährige werde die politische Bühne verlassen und sich aus der Politik zurückziehen.

Kern war seit Mai 2016 Chef der SPÖ und bis zum 18. Dezember 2017 auch österreichischer Kanzler. Nach der Niederlage bei der Nationalratswahl musste Kern das Amt an den Chef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), Sebastian Kurz, abtreten und wurde Oppositionsführer. Bisher deutete alles darauf hin, dass Kern bei einem Parteitag am 6. Oktober in Wels als Parteichef bestätigt würde. 

In der SPÖ hatte es zuletzt einen Machtkampf unter anderem zwischen Kern und dem ehemaligen Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil gegeben. Doskozil, der erst vor wenigen Tagen zum SPÖ-Landeschef im Burgenland gewählt wurde, hatte das von Parteigremien und Basis bereits abgesegnete Parteiprogramm der SPÖ kritisiert und vor einer "grün-linken Fundi-Politik" gewarnt. 

Kern hatte in der staatsnahen Wirtschaft Karriere gemacht. Zuletzt war er von 2010 bis 2016 Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB. Der 52-Jährige folgte im Frühjahr 2016 dem SPÖ-Chef und Kanzler Werner Faymann nach. Die Sozialdemokraten hatten bei der Parlamentswahl 2017 stabile 26,9 Prozent erreicht. Dem Herausforderer Kurz von der ÖVP mussten sie sich aber geschlagen geben. Letzte Umfragen sahen die SPÖ bei 28 Prozent. 

Anmerkung: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, Kern werde sich aus der Politik zurückziehen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht bekannt, dass Kern zwar nicht mehr für den Parteivorsitz kandidiert, jedoch stattdessen bei der Europawahl antritt.