Außenminister Heiko Maas (SPD) hat vor der Situation in den Anrainerstaaten des Tschadsees in Afrika gewarnt. Dort spiele sich "eines der größten humanitären Dramen unserer Zeit" ab, sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe kurz vor Beginn einer internationalen Geberkonferenz im Auswärtigen Amt. Die Region zwischen Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun sei "zum Tummelplatz für Terrorgruppen wie Boko Haram und IS geworden, die auch für unsere Sicherheit in Europa eine Bedrohung sind". Angesichts dessen könne man es sich "nicht erlauben, wegzuschauen, wenn die Nachbarn unserer Nachbarn destabilisiert werden".

Der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, nannte die dortige Flüchtlingskrise eine "der schwersten auf dem afrikanischen Kontinent". Terrorismus, Armut und Klimawandel haben nach Angaben der EU-Kommission mehr als 2,4 Millionen Menschen in der Region vertrieben, die Hälfte davon Kinder. Mehr als zehn Millionen Menschen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Laut einem bisher unveröffentlichten Bericht der Kinderhilfsorganisation Plan International gab in der Region am Tschadsee jedes fünfte befragte Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren an, im vergangenen Monat geschlagen worden zu sein. Nahezu alle jungen Frauen berichten demnach, keinerlei Einfluss auf ihr Leben zu haben. "Angst vor Überfällen und Entführungen durch Aufständische, sexueller und physischer Gewalt in den Straßen, aber auch im häuslichen Umfeld bestimmen ihren Alltag", schreibt Plan International.

Hinzu komme die Angst, keinen Zugang zu Bildung an Schulen zu bekommen. Viele Mädchen würden die Schule abbrechen, weil sie "verheiratet, schwanger oder vergewaltigt werden". Das berichtet ein 18 Jahre altes Mädchen aus Kamerun im Report Heranwachsende Mädchen in der Krise: Stimmen aus der Tschadsee-Region. Die Kinderhilfsorganisation hat für den Bericht mehrere hundert junge Mädchen in Nigeria, Niger und Kamerun befragt.

Die Geberkonferenz beginnt am Montag in Berlin. Ziel ist es, zur Stabilisierung der Region beizutragen und Wege für die Entwicklungszusammenarbeit zu finden.