Der griechische Integrationsminister Dimitris Vitsas hat die Lage im Flüchtlingslager von Moria auf der Ägaisinsel Lesbos als "sehr schwierig bis grenzwertig" bezeichnet. In einem in der Presse veröffentlichten Brief an den Bürgermeister der Inselhauptstadt, Spyros Galinos, räumte Vitsas ein, dass die Flüchtlinge dringend zum Festland gebracht werden müssten.

Wie der Minister mitteilte, wurden zwischen Anfang Mai und Ende August 3.950 Flüchtlinge zum griechischen Festland gebracht – im gleichen Zeitraum sind allerdings auch 5.450 neue Migrantinnen und Migranten aus der Türkei gekommen.

In einem Brandbrief an den Minister hatte Bürgermeister Galinos gewarnt, dass die Geduld der Einwohner wegen steigender Kriminalität ihre Grenzen erreicht habe. Ihm zufolge drohe eine "soziale Explosion". Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hatte Ende August eine Entlastung der Flüchtlingslager auf den griechischen Inseln gefordert. Auf den fünf Ägäisinseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos befinden sich offiziellen Angaben zufolge derzeit mehr als 19.600 Flüchtlinge – das sind fast 6.500 mehr als im September des Vorjahres.

Bereits im April Proteste gegen Flüchtlingspolitik

Bereits im April hatte es große Proteste der Inselbewohner gegen die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union gegeben. Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte damals versprochen, die Flüchtlinge so schnell wie möglich aufs Festland zu holen, allerdings auch auf fehlendes Personal und Unterkünfte verwiesen, die dies bisher verhindern würden.

Viele Flüchtlinge und Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten versuchen von der türkischen Küste aus, die griechischen Inseln zu erreichen. Andere wählen die Route übers Land, durch den Fluss Evros zwischen der Türkei und Griechenland. Die Zahl der Migrantinnen und Migranten, vor allem aus Syrien, die über die Türkei nach Griechenland kommen, konnte in den letzten Jahren stark reduziert werden, seit einerseits die Weiterreise aus Griechenland in andere EU-Staaten erschwert wurde und seit die EU mit der Türkei ein Abkommen zur Rücknahme von Flüchtlingen geschlossen hat.