Kurz vor einem EU-Gipfel zur Migrationspolitik haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ihre gemeinsame Position in dieser Frage betont. Deutschland und Frankreich wollten aus der Migration "eine Chance machen, keine Befürchtung", sagte Macron bei einem Treffen mit Merkel in der südfranzösischen Hafenstadt Marseille. Er reagierte damit auf Äußerungen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der die Migration "die Mutter aller politischen Probleme in diesem Land" genannt hatte.

Macron, Merkel und die anderen EU-Staats- und Regierungschefs wollen am 20. September in Salzburg über die Migrationspolitik beraten. Das Thema sorgt in der Gemeinschaft der 28 für Spannungen, insbesondere seit die populistische Regierung in Italien Schiffen mit aus dem Mittelmeer geretteten Migranten die Einfahrt in Häfen verweigert. Die Mitgliedstaaten plädieren auch deshalb für Aufnahmezentren außerhalb der EU. Allerdings hat sich noch kein Land zur Einrichtung solcher Zentren bereit erklärt.

Die Bundeskanzlerin bekräftigte, dass Deutschland und Frankreich in dieser Frage auf Fortschritte bestehen würden. "Wir werden in wenigen Monaten Europawahl haben, aber wir wollen bis dahin noch einiges schaffen", sagte Merkel mit Blick auf die Wahl Ende Mai 2019 hinzu. "Europa muss sich in dieser Frage auch beweisen."

Abseits der Flüchtlingsthematik sprachen Merkel und Macron bei ihrem Treffen in Marseille auch über den Brexit, eine engere Zusammenarbeit bei der Verteidigung sowie die Vertiefung der Eurozone. "Deutschland und Frankreich werden weiter zusammenarbeiten, um die Zukunft vorzubereiten", betonte Macron. Merkel äußerte sich "sehr optimistisch, dass wir auch weiter gemeinsam vorangehen, für ein Europa, das selbstständig ist und eigenständig seine Probleme lösen kann".

Derweil demonstrierten in Marseille rund 200 Anhängerinnen und Anhänger der Linkspartei La France insoumise und der Kommunisten gegen das Treffen. Linkspartei-Chef Jean-Luc Mélenchon nannte die beiden Politiker "Antihumanisten". Er verwies auf das neue Asylgesetz Macrons, das es erlaube, Familien inklusive der Kinder 95 Tage lang in geschlossenen Zentren festzuhalten. Der Vorsitzende der Europäischen Grünen (EGP), Reinhard Bütikofer, mahnte Macron zu mehr Engagement beim Thema Flüchtlinge und Migration: "Er kann nicht einfach auf Flüchtlingslager außerhalb Europas bestehen und ansonsten die französischen Grenzen dicht machen."