Die Lage in den griechischen Aufnahmelagern in der Ostägäis wird für Geflüchtete und Migranten immer kritischer. Wie das Migrationsministerium in Athen mitteilte, sind dort inzwischen mehr als 20.000 Menschen untergebracht. 

Die Lager auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos haben aber insgesamt nur eine Aufnahmekapazität für knapp 6.400 Menschen. Als im März 2016 das Abkommen EU-Türkei zur Rückführung von Migrantinnen und Migranten in Kraft trat, lebten in den Lagern der Ägäisinsel etwa 5.800 Menschen.  

"Noch 30 Tage. Dann schließen wir das Lager"

Am schlimmsten ist die Situation im Lager von Moria auf Lesbos. Dort harren fast 8.800 Flüchtlinge aus, obwohl das Lager nur Platz für 3.000 Menschen bietet. "Wir geben dem Staat noch 30 Tage. Dann werden wir das Lager schließen", sagte die Regionalgouverneurin der Region dieser Inseln, Christiana Kalogirou, im Rundfunk. Die Abwässer flössen bereits auf die umliegenden Felder. Es stinke fürchterlich, berichteten Mitarbeiter humanitärer Organisationen. 

Migrationsminister Dimitrios Vitsas hatte in der vergangenen Woche von einer grenzwertigen Lage gesprochen. Nach Angaben des Ministers wurden zwischen Mai und Ende August bereits fast 4.000 Flüchtlinge zum griechischen Festland gebracht. Im gleichen Zeitraum seien aber fast 5.500 neue Migranten aus der Türkei angekommen.  

Zuvor hatte der Bürgermeister von Lesbos, Spyros Galinos, in einem Brandbrief an den Migrationsminister gewarnt: Die Geduld der Einwohner habe "ihre Grenzen erreicht", es drohe eine "soziale Explosion".

Nach Angaben der Hilfsorganisation Oxfam müssen unbegleitete Kinder, Schwangere sowie Menschen mit körperlichen und psychischen Erkrankungen mehr als zehn Monate in den Lagern warten, bevor sie mit einem Beamten der griechischen Asylbehörde darüber sprechen könnten, wie es mit ihnen weitergehe. Oxfam forderte die EU auf, ihr Asylsystem zu reformieren. Die Verantwortung für den Schutz von Geflüchteten müsse auf die Mitgliedsstaaten verteilt werden, während die Asylanträge bearbeitet würden. "Niemand sollte gezwungen sein, unter diesen entsetzlichen Bedingungen zu leben", hieß es.