EU-Kommissionspräsident hat vor den Folgen des aufstrebenden Nationalismus in der Europäischen Union gewarnt. "Nationalismus hat noch nie Probleme gelöst, sondern stets nur neue geschaffen", sagte er. "Wer sich in sein nationales Schneckenhaus zurückzieht, kann zwar die Schuldigen außerhalb vermuten, aber sicher keine Herausforderungen überwinden, weil der Weitblick gänzlich fehlt", sagte der Kommissionschef. Ihm zufolge suchen Populisten nur Sündenböcke. Populisten böten nur Losungen, die EU-Kommission dagegen Lösungen.

Laut Juncker ließen sich große Zukunftsfragen wie Migration, Sicherheit oder Digitalisierung in Europa nur gemeinsam lösen. "Ich vertraue darauf, dass sich diese europäische Einsicht durchsetzt und all diejenigen, denen an einer Zukunft in Frieden und Wohlstand gelegen ist, den Populisten im kommenden Europawahlkampf entschieden entgegentreten, statt ihnen nachzulaufen", sagte Juncker.

Juncker tritt 2019 nicht mehr als Kommissionschef an

Der Kommissionspräsident hält kommenden Mittwoch seine letzte Rede zur Lage der Union vor der Europawahl im Mai. Der ehemalige luxemburgische Regierungschef ist seit 2014 im Amt und tritt 2019 ab. Neben der Flüchtlingskrise und dem Brexit war Junckers Amtszeit vor allem von einem aufstrebenden Nationalismus in zahlreichen Mitgliedsstaaten der EU geprägt. In seiner Amtszeit trieb Juncker mit eigenen Vorschlägen eine Debatte über EU-Reformen voran – den Euro für alle, eine engere Zusammenarbeit, grenzfreies Reisen in der ganzen EU und eine engere Verzahnung der Institutionen.

Einen großen Anteil hatte der Kommissionschef an der Rettung des überschuldeten Griechenlands. "Mir persönlich war es stets – auch im Sinne der Einheit unseres Euros - ein Herzensanliegen, dass Griechenland Teil des Euro ist und bleibt", sagte Juncker.

Zudem führte er mit dem sogenannten Juncker-Plan ein groß angelegtes Investitionsprogramm ein, mit dem die Wirtschafts- und Währungsunion gestärkt aus der Krise hervorgegangen ist. Es sichert nach Junckers Angaben mit vergleichsweise wenig EU-Geld Investitionen für rund 335 Milliarden Euro ab, was 750.000 Jobs geschaffen habe. Offizielle Statistiken belegen die wirtschaftliche Erholung: 0,3 Prozent Wachstum gab es 2013 in der EU, im vergangenen Jahr waren es 2,4 Prozent. Der Juncker-Plan dürfte die Konjunkturerholung zumindest unterstützt haben.