Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition hat einen Hilfskorridor im Jemen versprochen. So solle die Versorgung der Menschen in der Hauptstadt Sanaa ermöglicht werden, sagte ein saudischer Militärsprecher. "Das Bündnis hat mit dem UN-Nothilfebüro im Jemen daran gearbeitet, sichere Korridore für den Transport von Hilfsgütern und Menschen zwischen Sanaa und Hudaida zu schaffen." Die Korridore würden bald täglich von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends geöffnet.  

In dem Bürgerkriegsland droht eine schwere Hungersnot. Schon jetzt leide das Land unter der schlimmsten humanitären Krise der Welt, hatte am Freitag der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Mark Lowcock, gesagt. 75 Prozent der 29 Millionen Einwohner im Jemen seien auf Hilfe angewiesen. In den vergangenen Wochen habe sich die Lage vor Ort "in alarmierender Weise verschlimmert". Die Vereinten Nationen bezeichnen den Konflikt als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen sind vielerorts zerstört. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation hat mehr als die Hälfte der 28 Millionen Jemeniten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Die Hafenstadt al-Hudaida ist für die Versorgung des gesamten Nordens des Landes wesentlich. Mehr als 70 Prozent der humanitären Hilfsgüter kommen von dem Seehafen, der auch die von den Huthi-Rebellen kontrollierte Hauptstadt Sanaa versorgt. al-Hudaida ist schwer umkämpft zwischen den Aufständischen und der international anerkannten Regierung des Landes, die von der Militärkoalition unterstützt wird.

Die Gefechte um die Großstadt waren nach gescheiterten Friedensgesprächen in Genf vor gut zwei Wochen wieder stärker geworden. Regierungstreue Truppen behaupteten, sie hätten die direkte Versorgungsroute nach Sanaa abgeschnitten. Die Rebellen bestätigten das nie. 

Der Organisation Save the Children zufolge seien in den vergangenen drei Monaten etwa 700 Zivilisten getötet worden. Über die Hälfte der Gestorbenen kämen aus al-Hudaida. Mehr als 28.000 Menschen sind seit Beginn des Bürgerkriegs nach UN-Schätzungen umgekommen, davon rund 10.000 Zivilisten.