In der republikanischen Partei, die sich unter Trump zu einem jämmerlichen Verein von Jasagern entwickelt hat, meldete McCain als einer der ganz wenigen bis zuletzt offenen Widerspruch an. An ihm scheiterte der Präsident mit seinem Plan, die Gesundheitsreform Obamas rückgängig zu machen. Trump hat das dem unerschrockenen Senator nie verziehen.

Die Trauerfeier in Washingtons Nationaler Kathedrale am vergangenen Samstag wurde, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb, zu einem "Hochamt des anderen Amerikas". Die beiden ehemaligen Präsidenten Barack Obama und George W. Bush – gegen die McCain in seinen beiden Präsidentschaftswahlkämpfen unterlegen war – würdigten seinen Mut und seinen Anstand.

"Amerika muss nicht wieder groß gemacht werden"

Am eindrucksvollsten aber war die Rede von McCains Tochter Meghan, die – ohne je dessen Namen zu nennen – mit dem Opportunismus und dem "billigen Geschwätz" Donald Trumps abrechnete. Make America Great Again? "John McCains Amerika muss nicht wieder groß gemacht werden, es war immer schon groß."

Roger Cohen nannte in der New York Times die Trauerfeiern der vergangenen Woche ein "Requiem für das amerikanische Jahrhundert". McCain verkörperte nicht nur den Herrschaftsanspruch, sondern auch den Internationalismus und den – oft genug fehlgeleiteten – Idealismus eines Landes, das den Höhepunkt seiner Macht überschritten hat. In der Trauer um ihn versammelte sich jenes Amerika, das an diesen Idealen festhalten und verhindern will, dass Trump zu ihrem Totengräber wird.

Der Präsident ging derweil Golf spielen.