Fast ein Jahr nach der gescheiterten Abspaltung Kataloniens von Spanien haben in Barcelona Hunderttausende Katalanen für die Unabhängigkeit demonstriert. Unter dem Motto "Schaffen wir die katalanische Republik" ging nach Angaben der Polizei anlässlich des katalanischen Nationalfeiertags Diada etwa eine Million Demonstranten auf die Straße. 

Die Demonstration sei der Auftakt einer neuen "Massenmobilisierung", sagte der katalanische Regionalpräsident Quim Torra bei der Kundgebung in der katalanischen Hauptstadt. Neben der Forderung nach Unabhängigkeit gehe es aber auch darum, die nach der gescheiterten Abspaltung inhaftierten Separatisten zu unterstützen. "Ich werde keine Schuldurteile akzeptieren und ich appelliere an alle freigeistigen Bürger, sie auch nicht zu akzeptieren", sagte Torra weiter. Eine offene Konfrontation mit der spanischen Justiz lehne seine Regierung aber ab; deshalb lasse man die in Katalonien inhaftierten Separatisten auch nicht einfach frei.

Auch der spanische Außenminister Josep Borell kritisierte die präventive Inhaftierung der separatistischen Politiker vor ihren Prozessen. Es wären auch andere Vorsichtsmaßnahmen möglich gewesen, sagte Borell in Straßburg. Der Richter habe aber so entschieden. Der in Katalonien geborene Politiker kritisierte aber auch den Zeitpunkt der Kundgebung: "Wir Katalanen sollten heute unseren Nationalfeiertag begehen und nicht die Unabhängigkeit fordern, die von weniger als der Hälfte der Bevölkerung befürwortet wird."

Die alljährlichen Kundgebungen erfolgen im Gedenken an den 11. September 1714, als spanische und französische Truppen während des Spanischen Erbfolgekrieges Barcelona eroberten.

Katalanische Bevölkerung ist gespalten

Auch die katalanische Opposition warf den Unabhängigkeitsbefürwortern vor, die Diada für ihre Zwecke zu missbrauchen. Die Gegner einer Abspaltung fänden bei den Feierlichkeiten kein Gehör, sagte die Chefin der Partei Ciudadanos in Katalonien, Inés Arrimadas.

Laut einer Umfrage im Juli sind die Katalanen hinsichtlich der Unabhängigkeit weiter uneins: 46,7 Prozent der Befragten befürworten demnach die Abspaltung von Spanien, 44,9 Prozent lehnen dies ab.  

Am 1. Oktober jährt sich das von der spanischen Justiz für illegal erklärte Unabhängigkeitsreferendum von 2017 zum ersten Mal. Damals hatte die Regionalregierung einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen. Sie wurde daraufhin von der spanischen Zentralregierung abgesetzt. Mehrere katalanische Unabhängigkeitsbefürworter wurden inhaftiert, der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont floh ins Ausland.