Anton Hofreiter hat Horst Seehofer mit deutlichen Worten kritisiert und ihn in einem Interview als Sicherheitsproblem für die Bundesregierung bezeichnet. "Der Innenminister sorgt nicht für Sicherheit, sondern ist selbst zum Sicherheitsproblem geworden", sagte Hofreiter der Rheinischen Post. Der Grünen-Fraktionschef machte den CSU-Chef zudem für die kritische politische Lage der Koalition verantwortlich. "Gerade einmal zehn Wochen nach der letzten Regierungskrise erleben wir heute die nächste", sagte er weiter. Im Mittelpunkt stehe "wieder einmal" Seehofer. 

"Wer nach dem größten islamistischen Anschlag in Deutschland das Parlament belügt, die AfD mit möglicherweise internen Informationen versorgt und mit kruden Äußerungen von rechtsextremistischen Taten ablenken will, statt seine Rolle als Behördenchef ernst zu nehmen, der kann nicht länger für den Schutz unserer Verfassung verantwortlich sein", sagte Hofreiter. Eine Entlassung allein reiche aber nicht. "Es braucht einen grundlegenden Neustart beim Verfassungsschutz", sagte der Grünen-Politiker. "Es geht darum, die Verfassung zu schützen, statt sie zu beschädigen."

Hofreiter verwies damit auf die Debatte um Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen, die zur Belastungsprobe für die große Koalition geworden ist. Während die SPD-Spitze die Entlassung Maaßens fordert, steht der Bundesinnenminister nach wie vor zu seinem Verfassungsschutzchef. "Für personelle Konsequenzen gibt es keinen Anlass", sagte Seehofer, nachdem Maaßen eine Erklärung abgegeben hatte.

Maaßen steht derzeit wegen seiner umstrittenen Äußerungen im Zusammenhang mit Ausschreitungen bei rechtsgerichteten Kundgebungen in Chemnitz unter Druck. Zusätzlich sorgten seine Aussagen zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz für Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit. Medienberichten zufolge war der Inlandsgeheimdienst offenbar stärker in den Fall involviert, als bislang – auch von Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen – behauptet wurde.

SPD, Grüne und Linkspartei haben den Rücktritt des Verfassungsschutzchefs gefordert, Kritik gibt es auch aus CDU und FDP. Eine Entscheidung über Maaßens Verbleib im Amt wurde nach einem Spitzengespräch der Parteichefs der Koalition am Donnerstagabend jedoch auf die nächste Woche vertagt.