Ein italienisches Gericht hat die Beschlagnahmung von 49 Millionen Euro von der in Teilen rechtsextremen Regierungspartei Lega genehmigt. Die Summe sollen der Lega-Nord-Gründer Umberto Bossi und sein einstiger Schatzmeister Francesco Belsito zwischen 2008 und 2010 veruntreut haben. Beide wurden bereits dafür verurteilt; die Beschlagnahmung wurde aber längst nicht abschließend durchgeführt. Bislang konnte die Staatsanwaltschaft nur drei Millionen sicherstellen.

Der Fall wanderte daraufhin bis vor den obersten Gerichtshof des Landes. Dieser überwies das Verfahren im April an ein anderes Gericht, das nun die Sicherstellung von 49 Millionen Euro genehmigte. Allerdings befinden sich in den Kassen der Lega nach Angaben der Parteianwälte nur 5,5 Millionen Euro. Zudem kann die Partei Berufung gegen die Entscheidung einlegen.

Der italienische Innenminister und Parteivorsitzende Matteo Salvini bezeichnete den Vorgang als eine "Affäre der Vergangenheit". Die Staatsanwaltschaft von Genua solle sich lieber mit der Brückenkatastrophe von Mitte August mit 43 Toten in der Stadt befassen. "Wenn sie uns alles wegnehmen wollen, sollen sie uns alles wegnehmen", sagte Salvini. "Wir werden mit Ruhe Politik machen, denn wir haben die Italiener an unserer Seite."

Im vergangenen Jahr waren im Zuge des Prozesses mehrere Parteikonten gesperrt worden. Umfragen sehen die Lega derzeit als stärkste Partei in Italien. Knapp gefolgt wird sie von der Fünf-Sterne-Bewegung, mit der die Lega die Regierung stellt.