Ganz Mexiko ist eine Mauer

Eda Cruz hat immer noch Angst. Dabei ist sie in Sicherheit. Aber sie weiß: Das gilt nur für den Moment. Die 43-Jährige sorgt sich um ihre fünfjährige Tochter Isabel und sie fürchtet ihren gewalttätigen Ehemann, vor dem sie und Isabel weggelaufen sind – trotz der Distanz, die zwischen ihnen und ihm nun liegt. Er habe gedroht, ihr das Kind wegzunehmen und sie töten zu lassen, sagt sie. Deshalb möchte sie nicht fotografiert werden. Und deshalb werden Eda Cruz und Isabel, die in Wahrheit andere Namen tragen, hier so genannt.

Der Ort, an dem die beiden Schutz gefunden haben, liegt ungefähr 700 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt. Es ist die Herberge für Migranten La 72 in Tenosique, im südmexikanischen Bundesstaat Tabasco: ein paar schlichte Gebäude, die Wände mit Graffiti bunt bemalt, die Stockbetten in den Schlafräumen stehen dicht an dicht. La 72 hat eine Kirche und eine Küche, ein paar Büros und Beratungsräume. Der betonierte Innenhof trägt den Namen Plaza Dignidad, Platz der Würde. Es gibt Unterkünfte für Frauen und welche für Männer, an der Unterkunft für queere Menschen hängt eine Regenbogenfahne.

261 Schutzsuchende leben im Augenblick hier und ein gutes Dutzend Helfer. Die meisten Migrantinnen und Migranten sind aus Honduras:

Eda Cruz und Isabel, die das Leben mit einem trinkenden, prügelnden Mann nicht mehr ertrugen; 

Alberto González, der weglief, um zu überleben;  

Johana Moreno, die in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa in einer Konditorei arbeitete und mit ihrem zweijährigen Sohn David aufbrach;

Franklin Molina, ihr Mann, der es allein zu Hause nicht mehr aushielt und deshalb seiner Familie folgte;

Bayron Moreno, der schon zweimal in den USA Arbeit gefunden hat.

500.000 kommen jedes Jahr

Nach Tenosique kommen unbegleitete Jugendliche, Familien, allein reisende Männer, Schwangere und Mütter mit gerade geborenen Säuglingen. Seit sieben Jahren gibt es die Herberge, ihre Betreiber sagen, sie hätten hier schon fast 80.000 Personen versorgt. Die Schutzsuchenden dürfen so lang bleiben, wie sie Hilfe brauchen. 

Die Vereinten Nationen schätzen, dass jedes Jahr 500.000 Menschen Mexikos Südgrenze irregulär in Richtung Norden überqueren. Die meisten wollen sobald wie möglich weiter in die USA. Der nächstgelegene Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA ist von Tenosique 1.600 Kilometer entfernt.  

Viele werden ihn nicht erreichen. Schuld daran ist ein politisches Programm, das den harmlosen Namen Programa Frontera Sur trägt: Programm Südgrenze. Seit dem 14. Juli 2014, als der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto das Programa Frontera Sur verkündete, haben die USA ihren Grenzschutz weit gen Süden verschoben. "So ähnlich, wie es Europa auch in Afrika tut", sagt Ramón Márquez, der Direktor von La 72. "Alle reden von Trumps Mauer oben im Norden. Dabei ist ganz Mexiko wie eine Mauer." 

In Mexiko war das Geld alle

Die Herberge von Tenosique

Cruz hatte für die Reise 2.000 Lempira zurückgelegt, erzählt sie, umgerechnet 72 Euro. Schon am ersten Grenzübergang zwischen Honduras und Guatemala nahmen ihr die Beamten die Hälfte ab. Sie zahlte das Bestechungsgeld, damit die Grenzer auch ihre Tochter Isabel passieren ließen, denn dem Kind fehlte die schriftliche Einwilligung des Vaters. Zwei Tage lang fuhren sie mit Bussen durch Guatemala. Flüsse überquerten sie mit einem Boot. Als sie in Mexiko ankamen, war das Geld alle.

Sie liefen zu Fuß weiter. Es war Mai, die heißeste Zeit des Jahres, in der die Temperatur in der Gegend auf bis zu 40 Grad steigt. Isabel schaffte sechs Stunden Fußmarsch, dann klappte sie zusammen. Als ihre Mutter Anwohner um Wasser bat, hetzten die ihre Hunde auf die beiden. Irgendwann, sagt Cruz, setzten hilfsbereite Menschen Mutter und Tochter in ein Taxi zur Herberge. "Wir kamen krank hier an, mit wunden Füßen, und der ganze Körper tat uns weh. Hier hilft man uns. Dafür bin ich dankbar."

Andere werden auf dem Weg überfallen, ausgeraubt, ausgezogen, entführt, vergewaltigt. Die Ärztin Candy Lizbeth Hernández Martínez, die für die Organisation Ärzte ohne Grenzen in La 72 arbeitet, berichtet von Patientinnen und Patienten mit aufgeschürfter Haut, Knochenbrüchen und tiefen Schnitten, verursacht von Macheten. Ihre Kollegin Miriam Rivas Lorenzo, Psychologin, erzählt von schweren Traumata. Mit den beiden Frauen sprechen die Menschen hier auch über intime Verletzungen, die sie einer fremden Journalistin lieber verschweigen.  

Ein nicht erklärter Krieg

Ramón Márquez leitet La 72. Die Kreuze hinter ihm erinnern – wie der Name der Herberge – an 72 Migrantinnen und Migranten, die im August 2010 im Nordosten Mexikos von Angehörigen des Zeta-Kartells ermordet wurden. © Alexandra Endres

Der La-72-Direktor Márquez sagt, die Menschen kämen aus einem Krieg. Es sei ein Krieg, der nie offiziell erklärt worden sei und von vielen gar nicht als solcher wahrgenommen werde, sagt Márquez – aber es sei ein Krieg. Das bestätigt auch die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die Migrantinnen und Migranten in Mexiko nach den Gründen für ihren Weggang befragt hat: "Die Gewalt, die die Menschen im Nördlichen Dreieck Zentralamerikas erleiden (gemeint sind El Salvador, Honduras und Guatemala), ist mit den Erfahrungen in Kriegsgebieten vergleichbar, in denen Ärzte ohne Grenzen seit Jahrzehnten präsent ist."

Im Nördlichen Dreieck Zentralamerikas bekämpfen die Banden der Maras einander mit extremer Gewalt. Sie morden und erpressen, sie zwingen die Jungen, sich ihnen anzuschließen, und behandeln die Mädchen, als seien sie ihr Besitz. Von den Migranten, die Ärzte ohne Grenzen befragt hat, berichten fast 40 Prozent, sie oder ihre Familien seien direkt von den Maras angegriffen oder bedroht worden. 44 Prozent haben Angehörige verloren. 

Schon achtjährige Kinder würden zwangsrekrutiert, sagen Hernández Martínez, die Ärztin von La 72, und Rivas Lorenzo, die Psychologin. Als Einstiegsritus werde von ihnen verlangt, zu töten – häufig jemanden aus der eigenen Familie. "Sobald die Mütter merken, dass etwas im Busch ist, packen sie ihre Kinder und sind weg."

Angst vor Tätowierten

Alberto González musste weg aus Honduras, um sein Leben zu retten. © Alexandra Endres

Alberto González hat gespürt, wie grausam die Maras sind. Der 53-Jährige hat das breiteste Lächeln in La 72. Er sagt, die Psychotherapeuten helfen ihm, es zu bewahren. 

Zu Hause in Honduras bewirtschafteten er und seine Familie einen kleinen Bauernhof. Sie pflanzten Bohnen und Mais, hielten Kühe und Schweine, ernteten Mangos, Papayas und Orangen. Dann kamen die Maras in ihren Heimatort Danlí. González und seine Frau gingen in die Stadt San Pedro Sula, er fand Arbeit in einer Fabrik, gemeinsam eröffneten sie einen Kiosk. Seine Frau stand hinter der Theke. Das war ihr Unglück.

Als die Maras eine "Kriegssteuer" von dem Ehepaar verlangten, so wie von allen Geschäftsleuten in San Pedro Sula, ignorierten die beiden die Forderung. "Wir zahlen doch den Maras nichts!", sagt González. "Wir dachten, ihre Drohungen würden folgenlos bleiben."

Am 5. Dezember 2016, er wird das Datum nie vergessen, töteten die Maras seine Frau. Zum Witwer geworden, ging er zurück nach Danlí. Die Bande folgte ihm. Zwei Jahre später verließ González seine Heimat, weil er immer noch Angst um sein Leben hatte.

Manchmal, wenn Tätowierte nach La 72 kämen, kehre diese Angst zurück, sagt er. Tätowierte könnten Gangmitglieder sein.

3.000 dürfen bleiben, Zigtausende nicht

Für die Gewalt in den Nachbarländern kann die mexikanische Regierung nichts. Aber sie könnte mehr dafür tun, dass die Migrantinnen und Migranten in Mexiko sicher sind – jene, die durch das Land in Richtung USA fliehen, genauso wie jene, die in Mexiko bleiben wollen oder müssen, etwa weil sie es nicht bis in den Norden schaffen oder weil ihnen der Grenzübertritt in die USA nicht gelingt.

Zwar gibt es seit 2011 ein Gesetz, das politisch oder anderweitig Verfolgten ebenso Schutz verspricht wie allen Menschen, deren Leben oder Sicherheit in ihrem Heimatland in Gefahr ist. Wer anerkannt wird, darf in Mexiko bleiben und arbeiten, hat ein Recht auf Bildung und medizinische Versorgung – und die Zahl der Anträge steigt. Im Jahr 2017 beantragten mexikanischen Medien zufolge rund 14.600 Menschen, als Flüchtlinge anerkannt zu werden; im ersten Halbjahr 2018 waren es fast 10.000. Allerdings wurden im Jahr 2016 nur rund 30 Prozent der Anträge positiv beschieden

Wie ernst nimmt die mexikanische Regierung also ihr Schutzversprechen? Zum Vergleich: Ebenfalls 2016 wurden fast 190.000 Migrantinnen und Migranten von den mexikanischen Behörden aufgegriffen, davon mehr als 150.000 aus Zentralamerika. Mehr als 140.000 wurden nach Zentralamerika abgeschoben.

Hilfestellung für die Migrantinnen und Migranten: Ein Graffito in der Herberge La 72 zeigt die Routen des Zugs "La Bestia", auf dem viele weiterreisen werden. Besonders riskante Streckenabschnitte sind markiert, zum Beispiel dort, wo Überfälle häufig sind oder Wegzoll erhoben wird. Tenosique befindet sich ganz rechts unten hinter dem Gitter. © Alexandra Endres

Seit 2015, schreibt Ivan Briscoe vom sicherheitspolitischen Thinktank International Crisis Group, schob Mexiko Jahr für Jahr mehr Menschen aus Zentralamerika ab als die USA. Márquez, der Direktor von La 72, sagt: "Allein die vielen Abschiebungen beweisen doch, wo der Fokus der mexikanischen Regierung liegt. Nicht auf den Menschenrechten." 

Manche Experten sagen dennoch, immer mehr Migranten wollten in Mexiko bleiben, eben weil die Zahl der Schutzanträge steigt, und weil die Mauerbaupläne des US-Präsidenten Donald Trump auf manche abschreckend wirkten. Das hört man auch beim UN-Flüchtlingshilfswerk in Tenosique. 

Doch Herbergsdirektor Márquez glaubt nicht daran. Fast alle, mit denen er spreche, träumten von den USA. "Erst gestern saß ein 17-jähriges, unbegleitetes Mädchen vor mir. Sie ist gerade als Flüchtling anerkannt worden und ich wollte mit ihr über ihre Pläne sprechen. Und was ist? Sie denkt jetzt schon darüber nach, in die USA zu gehen, weil sie glaubt, hier keine Chance zu haben."

Der amerikanische Traum

Bayron Moreno wartet in Tenosique auf "La Bestia". © Alexandra Endres

Bayron Moreno riskiert zum dritten Mal sein Leben für den amerikanischen Traum. Zweimal hat er es geschafft, in die USA zu kommen, arbeitete auf dem Bau, verdiente Geld. "Es ist eine ganz andere Welt. Man ist weit weg von den Schwierigkeiten, den Überfällen, den Todesdrohungen, mit denen wir in unserem Land zu tun haben. Man hat die Chance, wirtschaftlich voranzukommen." Zweimal flog er auf und wurde abgeschoben.

Moreno wartet in La 72 auf La Bestia, die Bestie. So heißt der Güterzug, der den Bahnhof von Tenosique passiert, ein paar Hundert Meter von der Herberge entfernt. Auf seine Dächer klettern jene, die entweder kein Geld für reguläre Bustickets haben, oder die hoffen, auf La Bestia die allgegenwärtigen Polizeikontrollen zu umgehen.

Doch die Reise auf dem Zug ist lebensgefährlich: wegen der Razzien der Migrationspolizei entlang der Strecke und wegen der Gangs, die den Zug überfallen und die Passagiere ausrauben, entführen, töten, vergewaltigen, die Frauen mitnehmen, um sie in die Prostitution zu zwingen. Die Gegenden, durch die La Bestia fährt, gehören zu den gefährlichsten Mexikos. Und wer sich während der Fahrt nicht gut festhält, kann vom Dach fallen und dabei Gliedmaßen verlieren oder sterben.

In der jüngsten Zeit fahre La Bestia absichtlich schneller, sagt La-72-Direktor Márquez. "Klar nehmen wir den Zug trotzdem", sagt Moreno. "Es ist der einzige Weg, um in die USA zu gelangen."

Grenzkontrollen mit Geld und Technik aus den USA

Hatten Arbeit, gingen trotzdem: Franklin Molina und seine Frau Johana Moreno mit dem gemeinsamen Sohn David. © Alexandra Endres

Johana Morenos Sehnsucht nach den USA war so stark, dass sie ihren Mann Franklin Molina dafür in Tegucigalpa zurückließ. Sie nahm ihren Sohn David und machte sich mit ihren Geschwistern auf den Weg. Dabei hatten sie und Franklin Arbeit in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa. Es ging ihnen gut. "Aber in unserem Land herrschen die Maras", sagt sie. "Die Armut ist extrem. Die Gewalt alltäglich." Sie wollte ein neues Leben – und eine bessere Zukunft für David. 

Ihr Mann wollte sein Zuhause nicht verlassen und blieb. Dann folgte er ihr doch. Die Familie hatte Glück und kam heil in Tenosique an, ein Freiwilliger brachte sie zur Herberge. Wie sie es in die USA schaffen wollen? Er vertraue auf Gott, sagt Molina. Seine Frau sagt: "Ich hoffe, dass wir ankommen, wo wir hinwollen. Damit unser Leben sich verändert."

Seine Träume sind bescheidener: "Ich hoffe, sie lassen uns dort arbeiten. Und sei es nur für eine begrenzte Zeit."   

Das Programa Frontera Sur

Ihr Weg in den Norden wird schwierig. Denn die mexikanische Regierung unter dem noch amtierenden Präsidenten Enrique Peña Nieto tut viel dafür, die Menschen aufzuhalten und wieder zurück in ihre Heimatländer zu schicken. Statt ihnen Schutz zu bieten, wie das Gesetz es verlangt, versucht man, sie wieder loszuwerden. Mexiko tut das in enger Abstimmung mit den USA; mit Geld, Technik und Training aus dem Norden. 

Migrationspolizisten und Soldaten überprüfen in der Gegend um Tenosique Fahrzeuge und Fußgänger. Offiziell dürfe das Militär keine Passkontrollen durchführen, sagt Márquez. "Aber sie behaupten einfach, sie suchten nach Waffen und Drogen." Die USA unterstützen die Kontrolle der Straßen entlang von sogenannten Sicherheitskorridoren, die 160 Kilometer weit von der Grenze ins Landesinnere führen, sie fördern die Überwachung aus der Luft und zu Wasser durch zwölf Flottenstützpunkte in den südmexikanischen Flüssen.

Die USA bilden mexikanische Grenzpatrouillen aus und geben Geld; zum Beispiel finanzieren sie Kommunikations- und biometrische Identifikationstechnik, mit der die mexikanischen Behörden arbeiten sollen, mit 75 Millionen und die Ausbildung und Ausrüstung von Grenzbeamten mit weiteren 24 Millionen Dollar.

Ein Ergebnis: Im Norden, an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, kommen viel weniger Menschen aus Zentralamerika an. Die Festnahmen dort sind auf das niedrigste Niveau seit 1972 gefallen.

Die Regierung Peña Nietos erklärt, das Programa Frontera Sur solle den Migranten mehr Sicherheit bringen. Aber Migrationsforscher, Menschenrechtsorganisationen und selbst die immer auf Diplomatie bedachten Vereinten Nationen kritisieren: Es bewirke genau das Gegenteil. Die Präsenz so vieler Soldaten zwinge die Menschen, sich zu verstecken, und bringe sie so erst recht in Gefahr, sagt auch der Herbergsdirektor Márquez. Die Soldaten stoppten Grenzgänger mit Gewalt. "Sie setzen Taser ein. Sie haben uns verboten, schutzsuchende Personen in die Herberge zu bringen. Sie sagten, das sei Schlepperei." 

Dunkle Verbindungen zur organisierten Kriminalität

Und manche Behörden arbeiten offenbar mit der organisierten Kriminalität zusammen. "Es sind schwer durchschaubare Verbindungen", sagt Márquez. Doch er und seine Mitarbeiter wüssten, dass Regierungsbehörden am Menschenhandel beteiligt seien. Das funktioniere beispielsweise so: Migranten würden verhaftet. Dann erhielten ihre Angehörigen dubiose Anrufe von Unbekannten, die Geld für die Freilassung verlangten: "1.500, 2.000, 3.000 Dollar. Diese Praktiken sind gut dokumentiert."

Der kommende mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador hat im Wahlkampf angekündigt, er werde "die Drecksarbeit" für ausländische Regierungen nicht mehr verrichten. Noch aber ist das Programa Frontera Sur in Kraft, die mexikanische Regierung konzentriert sich auf Kontrolle, Abschiebung und Abschreckung. Die Migranten kommen trotzdem und finden in La 72 Schutz.

Alberto González, der Witwer aus Danlí, will die Reise in die USA in seinem Alter nicht mehr riskieren. Er hat einen Antrag auf Schutz als Flüchtling gestellt. Wird er anerkannt, darf er in Mexiko arbeiten. "Ein eigener Laden, das wäre mein Traum." 

Bayron Moreno wird den Zug besteigen, obwohl er das Risiko kennt.

Johana Moreno und Franklin Molina warten seit drei Monaten in La 72 darauf, dass es irgendwie für sie weitergeht.

Isabel, die kleine Tochter von Eda Cruz, will Ärztin werden. Ihre Mutter sagt: "Ich sehe nicht, wie das hier möglich sein soll." Sie träumt von einer Ausbildung in den USA für ihre Tochter.

Womöglich wird auch sie eines Tages mit Isabel auf das Dach von La Bestia klettern. "Die Leute fallen runter, sterben, werden überfallen", sagt Cruz. "Alle kennen die Gefahr. Aber die meisten nehmen den Zug." Nach Honduras, sagt sie, könne sie jedenfalls nicht mehr zurück.