Ein Jahr nach dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak ist in der Region ein neues Parlament gewählt worden. Mehr als 3,8 Millionen Wähler waren aufgerufen, aus mehr als 750 Kandidaten von 29 politischen Bewegungen insgesamt 111 Abgeordnete des Regionalparlaments in Erbil zu bestimmen. Die erste Abstimmung nach dem militärischen Sieg gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" gilt als richtungsweisend. Als Favoritin der Abstimmung galt die regierende Kurdische Demokratische Partei (KDP).

Das Ergebnis soll nach Angaben der Wahlkommission in 72 Stunden bekannt gegeben werden. Abgesehen von einigen Zwischenfällen mit bewaffneten Männern, die ohne die notwendigen Papiere wählen wollten, verlief die Abstimmung demnach ruhig. Zur Wahlbeteiligung äußerte sich die Wahlkommission nicht. Angaben vom Mittag deuteten aber auf eine geringe Beteiligung hin.

Vor einem Jahr hatte der damalige KDP-Chef Massud Barsani ein Unabhängigkeitsreferendum angestoßen. Gut 92 Prozent der Wähler stimmten für eine Abspaltung vom Rest des Landes. Trotz des klaren Ergebnisses folgten zur Enttäuschung vieler Kurden jedoch keine weiteren Schritte, sondern schwere Verwerfungen mit der Zentralregierung in Bagdad. Irakische Regierungstruppen rückten in die Region vor, übernahmen einen wichtigen Teil der ölreichen Gebiete, Sanktionen wurden verhängt und Grenzposten zur Türkei und dem Iran zeitweise geschlossen. Barsani erklärte seinen Rücktritt vom Amt des kurdischen Präsidenten, die Region rutschte in eine Wirtschaftskrise, Hoffnungen auf einen Kurdenstaat zerschlugen sich, die zunächst für den 1. November 2017 geplante Parlamentswahl wurde verschoben.