US-Präsident Donald Trump hat den Streit um seinen Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh zum Wahlkampfthema gemacht. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wheeling im US-Bundesstaat West Virginia stellte Trump Kavanaugh als Opfer gemeiner Taktiken der Demokraten dar. "Ihnen ist egal, wen sie verletzen, wen sie überrennen müssen, um zurück an die Macht zu kommen", sagte er. Trump verteidigte Kavanaugh als "einen der besten juristischen Köpfe unserer Zeit" und forderte seine Anhänger auf, bei den Midterm-Wahlen am 6. November für die Republikaner zu stimmen.

Am vergangenen Donnerstag musste Kavanaugh in einer Anhörung im US-Senat Stellung zu den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs nehmen. Mehrere Frauen, unter ihnen die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford, werfen dem Juristen sexuelles Fehlverhalten vor. Kavanaugh selbst bestreitet die Vorwürfe.

Kavanaughs Bestätigung ist nicht sicher

Die Demokraten sind gegen Kavanaugh und wollen seine Bestätigung verhindern. Das könnte geschehen, wenn die Personalie nicht mehr vor den Zwischenwahlen am 6. November entschieden wird und sich die Mehrheitsverhältnisse im Senat zugunsten der Demokraten verändern sollten. Da unter anderem unklar ist, ob die republikanischen Senatorinnen Susan Collins und Lisa Murkowski für Trumps Kandidaten stimmen werden, könnte sich Kavanaughs Bestätigung hinziehen.

Aus Kreisen der Republikaner hieß es, der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, habe Trump gewarnt, Zweifel an Fords Aussagen zu streuen. Sein Ratschlag an den Präsidenten sei gewesen, Kavanaugh zwar zu unterstützen, aber Verbalattacken auf dessen Beschuldigerinnen zu vermeiden.

Am Donnerstag empfahl der Justizausschuss des Senats die Nominierung Kavanaughs mit der Mehrheit der republikanischen Senatoren. Die Demokraten im Ausschuss stimmten geschlossen dagegen. Der republikanische Senator Jeff Flake sprach sich allerdings dafür aus, die Vorwürfe gegen den Juristen von dem FBI untersuchen zu lassen. Der Justizausschuss des Senats gewährte den Ermittlern dafür eine Woche. Man werde die Regierung bitten, das FBI anzuweisen, eine "zusätzliche" Hintergrundüberprüfung Kavanaughs durchzuführen, hieß es in einer Mitteilung des Ausschusses.

Trump lässt dem FBI freie Hand

Inzwischen sind erste Ermittlungsschritte des FBI zu Kavanaugh bekannt. Trump hatte die Bundespolizei am Freitag gebeten, die Vorwürfe gegen Kavanaugh zu prüfen. Das FBI kontaktierte Deborah Ramirez, eine frühere Studienkollegin des Juristen. Sie wirft ihm vor, sich vor ihr auf einer Party Anfang der Achtzigerjahre entblößt zu haben. Ramirez’ Anwalt teilte mit, die Ermittler wollten sie befragen und sie sei zu einer Zusammenarbeit bereit. Auch drei Bekannte Kavanaughs aus den Achtzigerjahren erklärten sich einverstanden, vor dem FBI auszusagen.

Trump selbst möchte sich in die Untersuchungen des FBI nicht einmischen. "Sie können tun, was immer sie tun müssen", sagte er vor Reportern. Auch ein Sprecher des Weißen Hauses, Raj Shah, sagte, dass die US-Regierung Ermittler tun lasse, wozu sie ausgebildet worden seien.

Trump machte vor der Wahlkampfveranstaltung in West Virginia deutlich, dass er trotz der FBI-Ermittlungen gegen Kavanaugh weiter fest mit einer Bestätigung seines Wunschkandidaten als Supreme-Court-Richter durch den Senat rechnet. "Ich brauche keinen Plan B", sagte Trump.