Die Sozialdemokraten haben die Parlamentswahlen in Schweden nach Auszählung der Stimmzettel in mehr als 95 Prozent der Wahlbezirke mit 28,3 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Partei von Regierungschef Stefan Löfven wurde demnach erneut stärkste Kraft, bei der Wahl 2014 waren sie aber noch auf 31 Prozent gekommen. Die (konservativen) Moderaten kamen demnach mit 19,8 Prozent auf Platz zwei.

Erfolgreiche drittstärkste Kraft sind die rechtspopulistischen Schwedendemokraten: Die Partei um Jimmie Åkesson erzielte laut Prognosen das beste Ergebnis ihrer Geschichte und erhielt 17,7 Prozent der Stimmen. Deren Chef, Jimmy Åkesson, betonte zügig nach den ersten Prognosen den Erfolg seiner Partei: Sie habe die Abstimmung am Sonntag "gewonnen", sagte er. Mit Blick auf die Sitze, die seiner Partei im Stockholmer Reichstag zustehen werden, sagte er: "Niemand kann uns das nehmen."

Die Schwedendemokraten blieben damit dennoch hinter den Erwartungen zurück. Umfragen hatten der fremdenfeindlichen Partei bis zu 25 Prozent der Stimmen vorausgesagt. Insgesamt waren 7,5 Millionen Schwedinnen und Schweden zur Parlamentswahl aufgerufen. 

Åkesson will kooperieren

Åkesson bekundete sein Interesse daran, mit anderen Parteien kooperieren zu wollen. Dem Vorsitzenden der Moderaten, Ulf Kristersson, wolle er sagen, "wie man das Land regiert", sagte er. Der linke wie der konservative Block im Reichstag hatten vor der Abstimmung ausgeschlossen, die Schwedendemokraten als potenziellen Koalitionspartner in Betracht zu ziehen.

Bei dieser Position blieb Ministerpräsident Löfven auch nach der Wahl. Mit Blick auf die Schwedendemokraten sagte er, eine Partei mit Wurzeln im Nationalsozialismus habe nie die Übernahme von Verantwortung zu bieten – sondern lediglich Hass. Den konservativen Block im Parlament rief er auf, traditionelle Bündnisse zu überwinden. "Wir haben eine moralische Verpflichtung. Wir müssen alle guten Kräfte zusammenbringen." Alle politischen Parteien müssten nun Verantwortung übernehmen und eine "starke Regierung" bilden.

Zugleich räumte Löfven ein, dass die Ergebnisse noch unklar seien und die Bildung einer neuen Regierung wohl einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Er machte deutlich, Regierungschef bleiben zu wollen.

Kandidat der Moderaten fordert Rücktritt

Sein größter Rivale, der Kandidat der Moderaten, rief ihn indes zum Rücktritt auf. Vor Anhängern sagte Ulf Kristersson am Sonntagabend, der Vier-Parteien-Block des konservativen Oppositionsbündnisses Allianz – die Schwedendemokraten gehören nicht dazu – sei eindeutig der größte. Er habe das Mandat, eine neue Regierung zu bilden. Nach einer Berechnung des Senders SVT dürfte die konservative Allianz 143 Sitze stellen. Sozialdemokraten, Grüne und Linke kämen gemeinsam auf 144. Eine Mehrheit braucht jedoch 175 Sitze.

Die Schwedendemokraten finden seit der Flüchtlingskrise 2015 vor allem in Großstädten Zulauf. Schweden hat mit rund zehn Millionen Einwohnern 2015 rund 160.000 Asylsuchende aufgenommen: Pro Kopf der Bevölkerung sind das mehr als in jedem anderen europäischen Land. Mit dem Ergebnis der Parlamentswahlen setzt sich der Rechtsruck fort, der seit der Flüchtlingskrise fast alle Wahlen in Europa geprägt hat