Rund 7,3 Millionen Schwedinnen und Schweden sind dazu aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die Wahllokale schließen um 20 Uhr, Ergebnisse werden für Mitternacht erwartet. Die Sozialdemokraten von Ministerpräsident Stefan Löfven und ihr grüner Bündnispartner werden Prognosen zufolge ihre Mehrheit verlieren. Zugewinne werden den rechtspopulistischen Schwedendemokraten vorhergesagt, einer Partei, die aus dem rechtsextremen Bündnis "Bewahrt Schweden schwedisch" hervorgegangen ist und seit 13 Jahren von Jimmie Åkesson geführt wird. Die Schwedendemokraten fordern eine restriktive Flüchtlingspolitik und den Einsatz des Militärs gegen Kriminelle. Sie sind gegen die Ehe für alle und fordern eine Volksabstimmung über einen EU-Austritt.

Jüngste Umfragen sahen die Sozialdemokraten bei etwa 25 Prozent, die Schwedendemokraten und die konservative Moderate Sammlungspartei bei jeweils 17 Prozent. Als wahrscheinlich gilt, dass auch die Grünen, die Linkspartei, die Liberalen, die Christdemokraten und die Zentrumspartei die Vier-Prozent-Hürde überspringen und ins Parlament einziehen werden.

Schwierige Mehrheitsbildung

Sollten sich die Wahlprognosen bewahrheiten, dann würde weder ein Mitte-links- noch ein Mitte-rechts-Bündnis aus jeweils vier Parteien eine absolute Mehrheit erhalten. Eine große Koalition, an der sowohl die sozialdemokratische Partei Löfvens als auch die konservative Moderate Sammlungspartei des Spitzenkandidaten und Parteivorsitzenden Ulf Kristersson beteiligt wären, gilt als nahezu ausgeschlossen. In Schweden gab es seit einer Parlamentsreform in den Siebzigerjahren mehr Minderheits- als Mehrheitskabinette, jedoch keine große Koalition. Um zum Ministerpräsidenten gewählt zu werden, genügt anders als in Deutschland eine relative Mehrheit.

Die Schwedendemokraten setzten im Wahlkampf auf Abstiegsängste und die Unzufriedenheit vieler Schweden mit der Einwanderungspolitik der Regierung. Seit 2015 kamen mehr als 300.000 Asylbewerber nach Schweden. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl von zehn Millionen nahm das Land damit so viele Flüchtlinge auf wie kein anderes Land in Europa. Hinzu kommt die wachsende Gewalt in Großstädten, die vor allem durch rivalisierende Gangs befeuert wird.

Verteilungsfragen

Im Wahlkampf prangerte Ministerpräsident Löfven von den Sozialdemokraten die Schwedendemokraten als rassistisch und als Gefahr für die europäischen Werte des Landes an. Bei einer Fernsehdebatte von Parteichefs am vergangenen Freitag hatte Jimmie Åkesson behauptet, Migranten hätten deshalb häufig Probleme bei der Arbeitssuche, weil sie keine Schweden seien und somit auch nicht nach Schweden passten. Åkesson fordert die Regierung auf, weniger Geld für die Integration von Einwanderern und mehr Geld für Sozialleistungen auszugeben.

Löfven versprach, 35 Milliarden schwedische Kronen (3,3 Milliarden Euro) in Sozialleistungen zu investieren und Eltern von vier- bis 16-jährigen Kinder fünf zusätzliche freie Tage pro Jahr zu gewähren.