Russischer Aktivist - Pussy-Riot-Mitglied befindet sich auf dem Weg der Besserung Dem Regierungskritiker Pjotr Wersilow geht es laut seiner Freundin besser. Er litt unter Vergiftungserscheinigungen und wird in einem Berliner Krankenhaus behandelt. © Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

Das womöglich vergiftete Mitglied der russischen Aktivistengruppe Pussy Riot, Pjotr Wersilow, ist zur weiteren Behandlung in Berlin angekommen. Nach Angaben der Bild-Zeitung landete ein Ambulanzflugzeug mit Wersilow auf dem Berliner Flughafen Schönefeld. Von dort aus wurde er weiter zur Behandlung in eine Berliner Klinik gebracht.

Seit einem Gerichtstermin am Dienstag leidet Wersilow unter Vergiftungserscheinungen. Er wurde zunächst in ein Moskauer Krankenhaus gebracht. Nach Angaben von Familienmitgliedern verlor Wersilow zuerst seine Sehfähigkeit, "dann die Fähigkeit zu sprechen, dann die Fähigkeit zu gehen". Ein Freund seines Vaters, der in einer Berliner Klinik arbeitet, soll die Behandlung außerhalb Russlands angeboten haben.

Wersilow nahm an Protestaktion während des WM-Finales teil

Wersilows Ehefrau Nadeschda Tolokonnikowa, die ihn in Berlin erwartete, sagte zu Bild: "Ich gehe davon aus, dass er mit Absicht vergiftet wurde und dass es entweder um Einschüchterung oder sogar einen Mordanschlag ging." Nach Medienberichten fanden Ärzte in seinem Blut starke Psychopharmaka. Nach Angaben seiner Freundin Veronika Nikulschina könnte es sich bei der Substanz um "etwas wie Atropin" handeln.

Im Juli waren Wersilow und drei weitere Pussy-Riot-Mitglieder beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Moskau in Polizeiuniformen auf das Spielfeld gestürmt, um gegen die Unterdrückung politisch Andersdenkender in Russland zu protestieren. Wegen des Protestes saßen sie 15 Tage in Haft.

Wersilow ist Gründer der Website MediaZona, die über Gerichtsverfahren gegen Menschenrechtsaktivisten berichtet. Zuletzt arbeitete er an einem Dokumentarfilm über einen der drei russischen Journalisten, die im August bei Recherchen über eine russische Söldnergruppe in der Zentralafrikanischen Republik getötet worden waren.