Rund zwei Millionen Mazedonier dürfen an diesem Sonntag darüber entscheiden, ob ihr Land einen neuen Namen bekommen soll. Nach fast drei Jahrzehnten könnte damit der Namensstreit zwischen Griechenland und Mazedonien beendet werden.  

Im Juni hatten der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras und sein mazedonischer Amtskollege Zoran Zaev vereinbart, dass der Südbalkan-Staat zukünftig Nordmazedonien heißen soll. Im Gegenzug will Griechenland nicht länger eine mögliche Nato- und EU-Mitgliedschaft des Landes blockieren. Zuvor muss allerdings die mazedonische Bevölkerung in einem Referendum zustimmen.

Hintergrund des Namensstreits ist die griechische Provinz Makedonien, die als Geburtsort Alexander des Großen gilt. Griechenland hatte befürchtet, Mazedonien könnte territoriale Ansprüche auf die Provinz und somit auf das historische Erbe des antiken Heerführers erheben. Mazedonien war 1991 unabhängig geworden und hieß bisher offiziell "Ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien".

Bei der Volksabstimmung werden die mazedonischen Wähler nun gefragt: "Sind Sie für eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union und der Nato durch die Annahme des Abkommens zwischen der Republik Mazedonien und der Republik Griechenland?"

Mazedoniens Präsident ruft zum Boykott des Referendums auf

In beiden Ländern ist die Einigung umstritten. Während einige Griechen immer noch befürchten, dass Mazedonien territoriale und historische Ansprüche erheben könnte, empfinden einige Mazedonier die Umbenennung ihres Landes als nationale Demütigung.

So kündigte der mazedonische Präsident Gjorge Ivanov an, sich nicht an dem Referendum zu beteiligen und rief andere Wähler ebenfalls zum Boykott auf. Der von Ministerpräsident Zaev ausgehandelte Vorschlag einer Umbenennung wäre eine "eklatante Verletzung der Souveränität", sagte der Konservative in der UN-Vollversammlung in New York.

Zwar ruft Mazedoniens konservative Opposition nicht zum Boykott der Abstimmung auf, lehnt die Einigung aber dennoch ab. "Am Sonntag ist diese Generation mit der Entscheidung konfrontiert, sich der historischen Herausforderung zu beugen, auf die Knie zu fallen, ihr Rückgrat zu brechen und ihre eigene Identität aufzugeben. Oder den Kampf fortzusetzen und an künftige Generationen stolz ein Beispiel dafür weiterzugeben, wie man an dem festhält, was man hat", sagte Igor Janusev, führendes Mitglied der größten Oppositionspartei VMRO-DPMNE.

Entscheidung zwischen "Integration und Isolation"

Die Unterstützer des Abkommens unter Führung von Ministerpräsident Zaev werben hingegen dafür, dass eine Anbindung an internationale Institutionen dem Südbalkan-Staat Wohlstand bringen werde. Es sei eine Entscheidung zwischen "Integration und Isolation", sagte Zaev kürzlich bei einer Kundgebung. Laut ihm gebe es für Mazedonien "keine Alternative zur Integration in die Nato und in die EU".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sowie US-Verteidigungsminister James Mattis sind für die Einigung im Namensstreit. Beide warben dafür, beim Referendum mit Ja zu stimmen. Mattis beschuldigte Russland, Gruppen innerhalb Mazedoniens zu finanzieren, die sich gegen die Namensänderung starkmachten. Die russische Regierung lehnt eine erneute Nato-Erweiterung in dem Teil Europas, der jahrzehntelang in seinem Einfluss stand, ab.

Votum der albanischen Minderheit dürfte entscheidend sein

Umfragen deuten auf ein Ja beim Referendum hin. Unklar ist allerdings, ob die notwendige Wahlbeteiligung von 50 Prozent erreicht wird. Doch selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, würde eine mehrheitliche Zustimmung dem Parlament und der Regierung das Mandat geben, die Namensänderung in Angriff zu nehmen.

Eine entscheidende Rolle für den Ausgang der Abstimmung dürfte die albanische Minderheit spielen, die etwa ein Viertel der mazedonischen Bevölkerung ausmacht. Mitglieder der Minderheit kämpften im Jahr 2001 in einem bewaffneten Aufstand gegen die Regierung, um ihre Rechte durchzusetzen. Da sie dem Landesnamen deutlich weniger emotional verbunden sind, dürften sie mehrheitlich eine Änderung befürworten. Ethnische albanische Wähler würden für die Nato, die Europäische Union, Frieden, Stabilität und Sicherheit stimmen, sagt Ali Ahmeti, Chef der albanischen DUI-Partei in Mazedonien.

Sollten die Wähler für die Umbenennung stimmen, könnte Mazedonien bald der Nato beitreten. Hierzu müsste die Vereinbarung von Juni nur durch das griechische Parlament ratifiziert werden. Die Abstimmung wird erst nach Abschluss aller erforderlichen Vorgänge in Mazedonien erwartet. Gewählt wird heute bis 19 Uhr.