Die frühere österreichische Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner soll den Parteivorsitz der Sozialdemokraten übernehmen. Darauf habe sich die Spitze von Österreichs größter Oppositionspartei einstimmig geeinigt, sagte der scheidende Parteichef Christian Kern nach der Sitzung des SPÖ-Präsidiums. Der formelle Beschluss soll am Dienstag durch den Parteivorstand fallen. Mit Rendi-Wagner bekommt die SPÖ erstmals eine Frau an der Spitze. Die 47-jährige Ärztin wechselte erst vor rund eineinhalb Jahren in die Politik.

Der frühere Bundeskanzler Kern hatte vergangene Woche überraschend seinen Rücktritt als SPÖ-Chef angekündigt. Er will bei der Europawahl im Mai als europaweiter Spitzenkandidat der Sozialdemokraten antreten. Kern war seit Mai 2016 Chef der SPÖ und bis zum 18. Dezember 2017 auch österreichischer Kanzler. Nach der Niederlage bei der Nationalratswahl musste Kern das Amt an den Chef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), Sebastian Kurz, abtreten und wurde Oppositionsführer. Die Sozialdemokraten hatten 2017 bei der Parlamentswahl 26,9 Prozent erreicht und wurden zweitstärkste Kraft nach der ÖVP, knapp vor der mitregierenden FPÖ.

Seit der Wahlniederlage im vergangenen Herbst ringt die SPÖ um eine neue Positionierung. Im neuen Parteiprogramm setzten die Sozialdemokraten verstärkt grüne Akzente. Rendi-Wagner gilt als fortschrittliche Kraft innerhalb der Partei.

Korrektur: In einer ersten Version hatten wir die SPÖ als drittstärkste Kraft bezeichnet. Das war falsch. Wir haben das geändert.