US-Präsident Donald Trump hat die Glaubwürdigkeit jener Frau infrage gestellt, die seinem Wunschkandidaten für den Supreme Court einen sexuellen Übergriff vorwirft. Er forderte die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford in einem Tweet dazu auf, ihre Anschuldigungen gegen den Supreme-Court-Anwärter Brett Kavanaugh zu belegen. 

Falls die Attacke auf Ford so schlimm gewesen sei, hätten sich Ford oder ihre "liebevollen Eltern" damals sicherlich sofort an die Strafverfolgungsbehörden gewandt, schrieb Trump. Um ihre Aussage zu belegen, solle Ford eine Anzeige von damals vorlegen, um damit Datum, Zeit und Ort des Angriffs offenzulegen, schrieb Trump weiter. Ford hatte bereits mitgeteilt, sie habe nach der Party zunächst niemandem von dem Vorfall erzählt. Trumps Forderung, sie möge die Anzeige vorlegen, die sie und ihre Eltern damals sicher sofort erstattet hätten, läuft damit ins Leere. 

Trumps Äußerungen stießen auf Kritik. "Ich war entsetzt vom Tweet des Präsidenten", sagte die republikanische US-Senatorin Susan Collins, die Mitglied im Justizausschuss ist. Es sei bekannt, dass sexuelle Übergriffe zu den am seltensten gemeldeten Fällen gehörten. Daher sei der Tweet des Präsidenten "völlig unangemessen und falsch".

Ende der Zurückhaltung

In den vergangenen Tagen hatte sich der US-Präsident noch weitgehend aus der Debatte herausgehalten. Zwar hatte Trump Brett Kavanaugh wiederholt verteidigt und den Kurs der Demokraten in der Frage heftig kritisiert. Mit Aussagen über Ford hatte sich Trump aber zurückgehalten. US-Medien gehen davon aus, dass sein Umfeld im Weißen Haus zur Diskretion geraten hatte. So habe verhindert werden sollen, dass weibliche Wähler verschreckt würden. Auch Unmut in den eigenen Reihen der Republikaner haben Trumps Berater vermeiden wollen.

Kavanaugh ist Trumps Wunschkandidat für den Supreme Court. Die wichtige Personalie muss vom US-Senat bestätigt werden. Kurz vor der Entscheidung des Senats hatte Ford jedoch schwere Vorwürfe gegen den umstrittenen konservativen Juristen erhoben. Ford gab an, dass Kavanaugh versucht habe, sie nach einer Schülerparty Anfang der Achtzigerjahre zu vergewaltigen. Der Richter bestreitet die Vorwürfe. 

In der kommenden Woche sollen Ford und Kavanaugh vor einem Ausschuss des US-Senats aussagen. Über die Bedingungen und den Zeitplan einer solchen Anhörung wird noch verhandelt. Die Anwälte der Frau erbaten sich am Freitagabend eine weitere Bedenkzeit von 24 Stunden. Der Justizausschuss des US-Senates entsprach der Bitte. "Ich möchte sie anhören", schrieb der Vorsitzende des Ausschusses, Chuck Grassley, auf Twitter. 

Ford stellte laut mehrerer US-Medien Bedingungen für eine Anhörung. Unter anderem besteht sie demnach darauf, nicht mit Kavanaugh in einem Raum zu sein. Außerdem möchte sie erst nach ihm aussagen. Auch ihre Sicherheit müsse gewährleistet sein. Nach Angaben ihrer Anwältin hat Ford seit ihrer Offenbarung Morddrohungen erhalten.

Trump lehnt FBI-Ermittlungen ab

Ford hatte ursprünglich auch darauf bestanden, dass die Bundespolizei FBI den Fall untersucht, bevor sie vor dem Senat dazu aussagt. Das forderten auch die Demokraten. Das FBI will laut Washington Post aber nicht tätig werden – es sei denn, es werde vom Weißen Haus dazu beauftragt.

Trump hat sich gegen FBI-Ermittlungen ausgesprochen. Der US-Präsident schrieb bei Twitter, "linksradikale" Anwälte wollten das FBI einschalten. Er fragte außerdem: "Warum hat vor 36 Jahren niemand das FBI angerufen?"

Der US-Präsident warf den oppositionellen Demokraten zudem vor, Fords Vorwürfe zu nutzen, um Kavanaughs Berufung zu verzögern. In einem weiteren Tweet Trumps hieß es, dass "linksradikale Politiker" nicht nach Antworten suchten, sondern nur Unheil anrichteten. 

Die Ernennung des Supreme-Court-Richters ist in den USA ein großes Politikum. Das oberste Gericht ist in vielen relevanten gesellschaftlichen Fragen die höchste Instanz. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte für viele Jahre für ein konservatives Übergewicht am obersten Gericht sorgen. Die Demokraten wehren sich daher vehement gegen die Ernennung  Kavanaughs und versuchen, die Abstimmung bis nach den Parlamentswahlen am 6. November zu verzögern. Sie hoffen, bei den Kongresswahlen Anfang November eine Mehrheit zu erreichen und so die Ernennung Kavanaugh kurzfristig verhindern zu können.