Seit Bekanntwerden des Vorwurfs sexueller Nötigung gegen den Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh hat das mutmaßliche Opfer nach eigenen Angaben Morddrohungen erhalten. Sie wolle, dass das FBI Ermittlungen zu ihren Vorwürfen gegen Kavanaugh aufnehme, bevor sie vor dem Justizausschuss im Senat aussage, hieß es in einem Brief der Anwälte von Christine Blasey Ford. In dem Brief, der dem Ausschuss am Dienstag zugestellt wurde, gibt Ford an, schikaniert und mit dem Tode bedroht worden zu sein. Ihre Familie habe umziehen müssen. Zugleich gab die Demokratin an, mit dem Justizausschuss kooperieren zu wollen.

Kavanaugh ist der Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump für den vakanten Richterposten am obersten Gerichtshof der USA, dem Supreme Court. Am Wochenende hatte die Professorin Ford in der Washington Post geschildert, dass Kavanaugh und ein Freund sie in den frühen 1980er Jahren während einer Party in einem Haus in Maryland in einem Schlafzimmer festgehalten hätten, als sie etwa 15 und Kavanaugh etwa 17 gewesen seien. Kavanaugh habe sie aufs Bett gedrückt und versucht, sie auszuziehen. Sie habe versucht zu schreien, aber Kavanaugh habe ihr den Mund zugehalten. Ford konnte nach eigenen Angaben entkommen, als der Freund auf sie beide gesprungen sei und alle zu Boden gegangen seien.

Ford hatte den Vorfall zunächst in einem Brief an die Demokraten geschildert. Über den Brief wurde in den Medien ohne ihren Namen berichtet. Erst als Kavanaugh sagte, er habe keine Ahnung, wer die Anschuldigung gegen ihn erhebe, ging Ford an die Öffentlichkeit.

Kavanaugh hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Am kommenden Montag sollen der Richter und Ford vor dem Justizausschuss des Senats angehört werden.

Trump zeigt Mitleid mit Kavanaugh

Trump hält an seinem Kandidaten fest und sprach von "einer kleinen Verzögerung" in dessen Bestätigungsverfahren im Senat. Zugleich warf der Präsident den oppositionellen Demokraten politisches Taktieren vor. Sie hätten bis zur letzten Minute damit gewartet, bevor Ford den knapp 35 Jahre zurückliegenden Vorfall publik machte. Er habe großes Mitleid mit Kavanaugh, sagte Trump zuletzt.

Der Fall ist politisch brisant, in den USA stehen in knapp sechs Wochen Kongresswahlen an. Die Republikaner müssen dabei ihre Mehrheiten im Senat und Repräsentantenhaus verteidigen. Und nicht nur das steht auf dem Spiel: Mit Kavanaugh würde das über die Verfassung wachende höchste Gericht der Vereinigten Staaten wie von den Republikanern erwünscht weiter nach rechts rücken. Trump möchte dessen Bestätigung noch vor den Zwischenwahlen im November durch den Senat bringen – etwas, das im Falle von FBI-Ermittlungen wohl nicht vor dem Wahltag möglich wäre.