Die EU-Staaten im UN-Sicherheitsrat haben Russland und den Iran dazu aufgerufen, bei ihren Syrien-Gesprächen am heutigen Freitag die bisher vereinbarte Waffenruhe aufrechtzuerhalten. Eine militärische Eskalation im Nordwesten des Bürgerkriegslandes könne "katastrophale humanitäre Folgen für die Zivilbevölkerung" haben, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung Großbritanniens, Frankreichs, Schwedens, Polens und der Niederlande. Auch Deutschland, Belgien und Italien, die kürzlich im Rat saßen oder bald sitzen werden, unterzeichneten die Erklärung mit.

Die geplante Offensive der syrischen Regierung gegen die Rebellenstadt Idlib würde drei Millionen Menschen bedrohen, darunter eine Million Kinder, heißt es in der Erklärung weiter. Der Konflikt in Syrien würde damit weiter eskalieren.  

Ob es zur gefürchteten Offensive der syrischen Regierung auf Idlib kommt, könnte sich ab Freitagmittag bei einem Dreiergipfel von Russland, Iran und der Türkei in Teheran entscheiden. Die Türkei ist als Schutzmacht der Rebellen dabei, Russland und der Iran als Verbündete der syrischen Regierung. 

Der iranische Parlamentschef Ali Laridschani hatte am Donnerstag gesagt, er erwarte von dem Syriengipfel eine Entscheidung zu Idlib. Die Präsidenten Wladimir Putin, Hassan Ruhani und Recep Tayyip Erdoğan schauen allerdings von äußerst unterschiedlichen Blickwinkeln auf den Konflikt. Die Türkei, die sich für den Gipfel starkgemacht hatte, will die Offensive verhindern.

"Der Krieg nähert sich dem Ende". Über der Region Idlib wurden laut Aktivsten Flugblätter abgeworfen, die die Bewohner vor einer Offensive der syrischen Armee warnen. © Omar Haj Kadour/AFP/Getty Images

Hunderttausende syrische Flüchtlinge

Die Provinz Idlib grenzt an türkisches Staatsgebiet. Die Türkei befürchtet, dass Hunderttausende syrische Flüchtlinge in Richtung der Türkei fliehen könnten. Das Land beherbergt schon mehr als drei Millionen Flüchtlinge.

Der Iran wiederum befürwortet einen Angriff auf Idlib. "Ohne eine Säuberung Idlibs von Terroristen wäre der Friedens- und Wiederaufbauprozess Syriens nicht möglich", sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Es müssten aber Maßnahmen zum Schutz von Zivilisten getroffen werden.

Russland hat in den vergangenen Tagen immer wieder gefordert, dass bestimmte Terroristen aus Idlib vertrieben werden müssten. Das russische Militär hat vor einigen Tagen mit Luftangriffen begonnen, die es am Donnerstag fortsetzte. Zudem gibt es Berichte über Luftangriffe des syrischen Militärs. Russland hat an der syrischen Küste im östlichen Mittelmeer eine starke Flotte zusammengezogen.

Unklar ist auch, ob das Format dabei hilft, die Probleme im Detail zu besprechen. In Teheran sah es kurz vor dem Gipfel so aus, als könnte das Treffen der Präsidenten am Freitagmittag nur eine Stunde dauern. Danach solle es eine Pressekonferenz und bilaterale Treffen bis zum Nachmittag geben.

USA warnen vor Chemiewaffeneinsatz

Die USA warnten das syrische Regime von Baschar al-Assad einmal mehr davor, Chemiewaffen gegen die Bevölkerung einzusetzen. Der Sonderberater für Syrien im US-Außenministerium, Jim Jeffrey, sagte am Donnerstag in Washington, seine Regierung betrachte jede Offensive als "leichtsinnige Eskalation". Er ergänzte: "Es gibt viele Beweise, dass chemische Waffen vorbereitet werden." Assad hat indes wiederholt erklärt, seine Regierung verfüge nicht über derartige Waffen.

Am Donnerstag verhängten die USA zudem Sanktionen gegen mehrere Unterstützer des Assad-Regimes. US-Finanzminister Steven Mnuchin verwies auf den erwarteten Angriff auf Idlib. Millionen unschuldiger Menschen seien derzeit bedroht von einer Attacke des Assad-Regimes, das vorgebe, eigentlich die Terrormiliz IS treffen zu wollen, sagte Mnuchin. Zugleich habe das Assad-Regime mit der Terrorgruppe Handel betrieben. Die Vereinigten Staaten richteten sich weiterhin gegen jene, die das mörderische Assad-Regime und den sogenannten "Islamischen Staat" unterstützten, sagte er.