Im Kampf um die letzte syrische Rebellenhochburg Idlib steht ein Angriff der syrischen Regierungstruppen womöglich kurz bevor. Der UN-Sicherheitsrat und US-Präsident Donald Trump haben vor den Folgen einer Offensive gewarnt. In einer gemeinsamen Erklärung warben die UN-Ratsmitglieder für eine friedliche Lösung in dem Konflikt. Eine umfangreiche Militäroperation werde zu einer humanitären Katastrophe führen, hieß es darin.

Die UN forderten alle Konfliktbeteiligten zur Zurückhaltung auf. Der Schutz von Zivilisten müsse Priorität haben, medizinische Einrichtungen und Bildungsstätten müssten geschützt werden. An diesem Donnerstag sollen Experten den Sicherheitsrat zunächst über die Entwicklungen in Syrien im Bezug auf den Einsatz von Chemiewaffen informieren. Am Freitagmorgen steht eine Sitzung über die humanitäre Situation in Idlib an. 

Trump droht Assad

US-Präsident Trump warnte den syrischen Machthaber Baschar al-Assad vor den Konsequenzen einer Offensive. "Wenn es ein Gemetzel ist, wird die Welt sehr, sehr wütend werden und die Vereinigten Staaten werden ebenfalls sehr wütend werden", sagte er in einem Gespräch mit dem Emir von Kuwait, Scheich Sabah al-Ahmed al-Dschabir al-Sabah, im Weißen Haus. Die Welt schaue auf Syrien – und die USA besonders genau.

Bereits am Dienstag hatte die US-Regierung gewarnt, im Falle einer Offensive der syrischen Regierung werde die Reaktion der USA "schnell und angemessen" ausfallen. Neben den USA haben auch Großbritannien und Frankreich deutlich gemacht, im Falle weiterer Chemiewaffenangriffe durch Assad Vergeltung üben zu wollen.

Russland, Iran und Türkei beraten

Am Freitag wollen Russland und der Iran als Unterstützer der Regierung und die Türkei als Schutzmacht der Opposition über die Krise in Syrien beraten. Die Bundesregierung hofft dabei auf ein Einschreiten Russlands, um die syrische Führung von der geplanten Offensive in der Region Idlib abzubringen. Die russische Regierung hat allerdings bereits angekündigt, ihren "Kampf gegen Terroristen" in Syrien bis zum Ende führen zu wollen

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warb bei seinem Besuch in der Türkei ebenfalls für eine diplomatische Lösung zum Schutz der Zivilbevölkerung. Deutschland habe die Türkei noch einmal ermuntert, das Treffen am Freitag zu nutzen, "um auf die anderen einzuwirken, eben nicht mit großen Bombardements dieses humanitäre Desaster in Idlib anzurichten". Die Weltgemeinschaft könne dies nicht akzeptieren. Jetzt sei die Diplomatie gefragt.

Die Region Idlib im Nordwesten Syriens ist das letzte große Gebiet des Bürgerkriegslandes, das noch von Rebellen beherrscht wird. Dominiert werden diese von dem Milizenbündnis Hajat Tahrir al-Scham, das als syrischer Arm von al-Qaida gilt. Die syrische Führung und ihre Verbündeten bezeichnen alle, die den Sturz von Präsident Assad herbeiführen wollen, als Terroristen. 

In Idlib halten sich inzwischen drei Millionen Menschen auf – fast die Hälfte davon sind Flüchtlinge. Zehntausende Regimegegner waren nach Siegen Assads in anderen Regionen nach Idlib gekommen. Die Vereinten Nationen befürchten, dass eine Offensive in Idlib mindestens 800.000 Menschen in die Flucht treiben und eine neue humanitäre Katastrophe auslösen könnte.