Ein russisches Aufklärungsflugzeug mit 15 Soldaten ist versehentlich von der syrischen Luftabwehr über dem Mittelmeer abgeschossen worden. Das sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums in Moskau. General Igor Konaschenkow machte allerdings Israel für den Fehltreffer verantwortlich: Dessen Kampfjets vom Typ F-16 hätten sich bei ihrem Angriff auf Ziele in Syrien hinter dem russischen Flugzeug versteckt. Russland behalte sich Schritte gegen Israel vor, sagte er der Agentur Tass zufolge. Konaschenkow sprach von 15 getöteten Soldaten.

Das russische Aufklärungsflugzeug vom Typ Il-20 sei bereits am späten Montagabend nicht mehr zu orten gewesen, teilte das Militär in Moskau mit. Der letzte Kontakt zu der Maschine habe gegen 22.00 Uhr MEZ stattgefunden. Das Flugzeug habe sich auf dem Rückflug zur russischen Militärbasis Hmeimim an der Küste nahe der Provinzhauptstadt Latakia befunden. Laut einem Vertreter des Verteidigungsministeriums hätten zu der Zeit israelische Kampfjets Ziele in der syrischen Küstenprovinz Latakia angegriffen.

Wrack- und Leichenteile gefunden

Russische Suchschiffe sollen im Mittelmeer inzwischen Wrackteile der abgeschossenen Militärmaschine gefunden haben. Auch Leichenteile der 15 getöteten Soldaten an Bord seien geborgen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Absturzstelle liege im Meer etwa 27 Kilometer westlich des syrischen Küstenortes Banias, meldete die Agentur Interfax nach diesen Angaben.

Das russische Aufklärungsflugzeug war am späten Montagabend versehentlich von der syrischen Armee abgeschossen worden. Das Feuer aus dem Luftabwehrsystem S-200 russischer Bauart hätte eigentlich Raketen angreifender israelischer Kampfjets abfangen sollen. Russland gibt Israel die Schuld, weil dessen Flugzeuge über dem Mittelmeer ohne Vorwarnung agiert hätten.

Der israelische Botschafter wurde deshalb ins Außenministerium in Moskau einbestellt, wie Interfax meldete. Der Kreml wollte den Vorfall nicht kommentieren. Die Lage werde analysiert, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow. Er sagte auch nicht, ob ein Telefonat Putins mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu geplant sei.

Aktivisten in der Gegend berichteten, die Raketen seien aus Richtung des Mittelmeers gekommen. Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht dazu. "Wir kommentieren keine Berichte in ausländischen Medien", sagte eine Sprecherin.

Auch der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf Regierungsquellen, die syrische Luftabwehr habe beim Abfangen israelischer Raketen versehentlich die russische Maschine abgeschossen. Die USA äußerten sich nicht, wer in der Region Luftangriffe geflogen habe, es seien aber keine US-amerikanischen gewesen.

Der Raketenangriff habe ein Waffendepot in der Nähe einer Industriezone östlich der Stadt Latakia getroffen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Israel hat in den vergangenen Monaten mehrfach Ziele in Syrien angegriffen, wenn es dort Raketen- oder Waffenlager seines Erzfeindes Iran vermutete. Russland unterstützt in Syrien die Führung von Präsident Baschar al-Assad.