Inmitten von Gefechten in der libyschen Hauptstadt Tripolis haben sich etwa 400 Häftlinge aus einem Gefängnis befreit. Nach Angaben der Polizei öffneten die Männer die Tore und flohen. Wärter konnten die Flucht demnach nicht verhindern, weil sie um ihr eigenes Leben fürchteten.

Zum Zeitpunkt des Ausbruchs hätten sich Milizen in der Nähe des Ain-Sara-Gefängnisses Gefechte geliefert, teilte die Polizei mit. In der Strafanstalt waren neben gewöhnlichen Kriminellen auch Anhänger des früheren Machthabers Muammar al-Gaddafi untergebracht.

Zuvor hatte die libysche Regierung in Tripolis den Notstand ausgerufen. Angesichts der gefährlichen Lage helfe der Ausnahmezustand dabei, die Zivilbevölkerung zu schützen, teilte sie mit. Die rivalisierenden Milizen forderte sie auf, die Kämpfe einzustellen und sich an eine von den UN vermittelte Waffenruhe zu halten.

Seit sieben Jahren Bürgerkrieg

Seit Montag letzter Woche wurden Behördenangaben zufolge bei Kämpfen mindestens 39 Menschen getötet und Dutzende verletzt, darunter viele Zivilisten. Der einzige Flughafen der Hauptstadt stellte am Freitag wegen der Gefechte seinen Betrieb ein. Bewaffnete rivalisierende Gruppen kämpfen um die Kontrolle von Tripolis.

Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 herrscht in Libyen ein Bürgerkrieg. Zahlreiche bewaffnete Milizen bekämpfen sich gegenseitig. Die international anerkannte Regierung in Tripolis konkurriert mit einer Regierung im Osten des Landes. Beide werden von schwerbewaffneten Milizen unterstützt.

Libyen ist das Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer in die Europäische Union gelangen wollen. Vom Westen Libyens aus ist Italien nur etwa 300 Kilometer entfernt.