Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu will für die Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei keine Bedingungen akzeptieren. Nach einem Treffen mit seinem deutschen Amtskollegen Heiko Maas (SPD) in Ankara sagte Çavuşoğlu: "Bei der Normalisierung kann es keine Bedingungen und auch kein Feilschen geben."

Maas hatte vor Antritt seiner Reise in die Türkei indes deutlich gemacht, dass er die Freilassung von sieben deutschen Staatsbürgern, die aus politischen Gründen in der Türkei inhaftiert sind, als Grundvoraussetzung für eine Annäherung sehe. Die Inhaftierungen halte Deutschland für nicht nachvollziehbar.   

Während einer Pressekonferenz nach der Unterredung der Minister bestätigte Maas allerdings nicht, dass es sich bei der Freilassung um eine konkrete Bedingung für die Normalisierung handele. Er habe mit Çavuşoğlu über die Fälle gesprochen und vereinbart, "dass wir darüber weiter in Kontakt bleiben. Und das wird auch sinnvoll und notwendig sein", sagte der deutsche Außenminister.

"Die Türkei ist weit mehr als ein Nachbar"

Über die Beziehung der beiden Staaten sagte Maas weiter: "Es ist kein Geheimnis, dass es im deutsch-türkischen Verhältnis in den letzten Jahren viele Irritationen gegeben hat. Darüber haben wir in aller Offenheit gesprochen." Es gebe da "viel aufzuarbeiten". Beiden Ländern sei aber aus strategischem Interesse daran gelegen, die "Beziehungen konstruktiv zu gestalten", so Maas. Für Deutschland sei die Türkei "weit mehr als ein Nachbar".

Neben den diplomatischen Beziehungen der beiden Länder diskutierten Maas und Çavuşoğlu auch einen Einsatz im Syrienkrieg und den Umgang mit syrischen Flüchtlingen. Einig zeigten sich die Politiker darin, dass eine "humanitäre Katastrophe" in der syrischen Provinz Idlib verhindert werden müsse. Der türkische Chefdiplomat forderte in der Flüchtlingsfrage eine bessere Zusammenarbeit mit Deutschland und der EU, die bisherige Zusammenarbeit bezeichnete er als "unzulänglich". Die syrische Regierung plant einen Angriff auf Idlib, die letzte Rebellenhochburg im Land. Dort leben rund drei Millionen Zivilisten. Es sei zu erwarten, dass im Falle eines Angriffs Millionen Menschen in Richtung Türkei fliehen könnten.

Derzeit halten sich mehr als drei Millionen syrische Flüchtlinge in der Türkei auf. Wie das Land weitere zwei Millionen Flüchtlinge versorgen solle, sei nicht klar, sagte Çavuşoğlu. Diese Frage sei nicht nur Sache der Türkei, sondern der Welt. Am Freitag findet ein von der Türkei organisierter Syriengipfel mit dem Iran und Russland statt. Die Türkei versucht seit Wochen fieberhaft, die Offensive zu stoppen. 

Nach dem Treffen mit Çavuşoğlu sprach Maas auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Nach Angaben der deutschen Delegation war es ein "gutes Gespräch in konstruktiver und offener Atmosphäre". Maas' Reise ist die erste einer Serie gegenseitiger Besuche beider Regierungen. Am 21. September treffen sich die Finanzminister in Berlin, Präsident Erdoğan kommt am 28. und 29. September zum Staatsbesuch nach Deutschland, im Oktober reist dann Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mit einer Wirtschaftsdelegation in die Türkei.