Der US-Präsident hat sein Missfallen über Justizminister Jeff Sessions mit neuen Verbalattacken untermauert. "Ich bin nicht glücklich mit zahlreichen Dingen", sagte Donald Trump in einem Interview mit dem Onlineportal The Hill mit Blick auf die Arbeit seines Kabinettsmitglieds. "Ich habe keinen Justizminister. Es ist sehr traurig." Wahrscheinlich habe Sessions' schwierige Bestätigung im Senat seine Leistung als Minister beeinträchtigt.

In dem Interview im Oval Office ließ der Präsident durchblicken, dass er von Anfang an wenig von Sessions gehalten habe. "Er war der erste Senator, der mich unterstützte. Und er wollte Justizminister werden, und das habe ich nicht gesehen", sagte Trump. "Dann ging er durch den Nominierungsprozess und schnitt sehr schlecht ab. Ich meine, er war durcheinander und verwirrt, und die Leute, die mit ihm lange Zeit im Senat zusammenarbeiteten, waren nicht nett zu ihm." Bei seiner Anhörung im Nominierungsprozedere habe Sessions aber sehr wirre Antworten gegeben. "Antworten, die sich leicht beantworten ließen", sagte Trump wörtlich.

Stunden später schwächte Trump seine Kritik im Gespräch mit Reportern im Weißen Haus etwas ab. Von Sessions sei er aus unterschiedlichen Gründen enttäuscht – "aber wir haben einen Justizminister", korrigierte er sich. 

Trump brachte Sessions in den vergangenen Monaten immer wieder in Misskredit. Der Präsident drängt seinen Minister immer wieder dazu, die Ermittlungen in der Russland-Affäre "unverzüglich" zu beenden und Sonderermittler Robert Mueller zu entlassen. Dabei ignoriert er, dass Sessions gar nicht dafür zuständig ist, nachdem dieser sich wegen seiner Rolle in Trumps Wahlkampfteam für befangen erklärt und aus den Ermittlungen zurückgezogen hatte. Die Oberaufsicht über die Russland-Ermittlungen hat vielmehr Vizejustizminister Rod Rosenstein, der Mueller im Mai 2017 eingesetzt hatte.

Zuletzt hatte Trump Sessions in einem Interview im August vorgeworfen, sein Ministerium nicht unter Kontrolle zu haben. Sessions widersprach. Er habe vom ersten Tag an die Kontrolle über das Ministerium übernommen und sei sehr erfolgreich damit, Trumps Agenda durchzusetzen, heißt es in einer Mitteilung des 71-Jährigen. Bereits zuvor hatte er deutlich gemacht, dass er sich dem Druck aus dem Weißen Haus nicht beugen wird. "Solange ich Justizminister bin, wird das Handeln des Justizministeriums nicht unangebracht durch politische Erwägungen beeinflusst werden", hieß es in einer weiteren Erklärung dazu von Ende August.