Die US-Regierung soll in Gesprächen mit aufständischen venezolanischen Militärs einen Sturz der linksgerichteten Regierung Venezuelas unter Nicolás Maduro geplant, aber schließlich verworfen haben. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf US-Regierungsvertreter und einen früheren venezolanischen Militärkommandeur, der an dem geheimen Austausch teilgenommen haben soll. Demnach hätten die im Laufe des vergangenen Jahres geführten Gespräche zu keinem Ergebnis geführt, da die USA schlechte Erfahrungen mit der Unterstützung von Umstürzen in Lateinamerika haben.

Laut New York Times wollte sich das Weiße Haus nicht detailliert zu den Gesprächen äußern. In einem Statement wurde lediglich die Notwendigkeit eines Dialogs "mit allen Venezolanern, die ein Verlangen nach Demokratie zeigen", betont, "um eine positive Veränderung für das Land zu bringen, das unter Maduro stark gelitten hat".

US-Präsident Donald Trump gilt als entschiedener Kritiker von Maduros Regierung. Venezuela steckt in einer tiefen wirtschaftlichen und politischen Krise, die Proteste mit gewaltsamen Ausschreitungen und eine Massenflucht in Nachbarländer wie Kolumbien und Brasilien auslöste. US-Medien hatten im August vergangenen Jahres berichtet, dass Trump seine Berater nach einer möglichen US-Invasion in Venezuela befragt. Etwa zur selben Zeit sagte der US-Präsident, dass angesichts der Unterdrückung der Opposition in dem südamerikanischen Land auch eine "militärische Option" möglich sei.

Ehemaliger Militär steht auf US-Sanktionsliste

Wie die New York Times schreibt, ist der an den Gesprächen beteiligte ehemalige venezolanische Militärkommandant allerdings nur schwer mit einem demokratischen System vereinbar, da er auf einer Sanktionsliste der US-Regierung gegen korrupte Offizielle aus Venezuela steht. Die US-Regierung beschuldigt ihn und andere Mitglieder der venezolanischen Sicherheitsbehörden, Kritiker gefoltert, politische Gegner inhaftiert sowie Zivilisten verletzt zu haben. Sie sollen außerdem in den Drogenhandel verwickelt gewesen sein und mit der kolumbianischen Rebellenarmee FARC zusammengearbeitet haben, die in den USA als Terrororganisation gilt.

In Hinblick auf die nun bekannt gewordenen Geheimgespräche teilte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Garrett Marquis, der Nachrichtenagentur AFP mit: "Die Präferenz der US-Politik für eine friedliche, ordentliche Rückkehr zur Demokratie in Venezuela bleibt unverändert." Die US-Regierung höre "täglich von den Sorgen der Venezolaner". Eine dauerhafte Lösung zur Beendigung der Krise im Land sei nur möglich "durch demokratische Verfahren, Rechtsstaatlichkeit und den Respekt grundlegender Menschenrechte und Freiheiten".

USA an mehreren Putschen in Lateinamerika beteiligt

Die venezolanische Regierung kritisierte die US-Regierung scharf. "Wir prangern vor der Welt die Interventionspläne und die Unterstützung von Verschwörungen des Militärs durch die US-Regierung gegen Venezuela an", erklärte Außenminister Jorge Arreaza auf Twitter. Selbst in US-Medien seien nun "neue und widerliche Beweise" dafür vorgelegt worden, schrieb Arreaza.

Präsident Maduro beschuldigt regelmäßig die rechtsgerichtete Opposition im Land oder die USA, einen Staatsstreich gegen ihn zu planen. Anfang August war er nach eigenen Angaben einem Mordanschlag mit zwei Drohnen entgangen, die mit Sprengstoff bestückt gewesen seien. Damals waren bei einer einer Militärparade, bei der Maduro anwesend war, mehrere Explosionen zu hören. Seine Regierung vertritt die Ansicht, dass die Tat in den USA geplant und vorbereitet worden sei. Die Regierung in Washington wies diese Anschuldigung zurück. Bis heute ist unklar, ob Drohnen für die Explosionen verantwortlich sind.

In den vergangenen Jahrzehnten haben die USA wiederholt militärisch in die Politik lateinamerikanischer Länder eingegriffen und demokratische Regierungen gestürzt, die nicht den Interessen der USA entsprachen. Beispiele hierfür sind der Staatsstreich in Guatemala 1954 und der Putsch in Chile 1973. Mari Carmen Aponte, die unter Trumps Amtsvorgänger Barack Obama eine hochrangige US-Diplomatin für die Beziehungen zu Lateinamerika war, sagte der New York Times, dass die Enthüllungen über die Geheimgespräche mit venezolanischen Militärs in der Region "wie eine Bombe" einschlagen würden.