Russland würde auf eine Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Europa mit Gegenmaßnahmen reagieren. Wenn solche Atomraketen nach Europa kämen, müsse Russland "natürlich auch entsprechend antworten", sagte der russische Präsident Wladimir Putin. Die USA würden mit ihren Plänen die Sicherheit Europas aufs Spiel setzen. Russland wäre in einem solchen Fall gezwungen, auch gegen jene Länder vorzugehen, die den USA eine solche Stationierung erlaubten. "Ich verstehe nicht, warum es notwendig ist, Europa so einem Gefahrenzustand auszusetzen", sagte Putin.

Die USA wollen jedoch weiter dabei bleiben, aus dem sogenannten INF-Vertrag auszusteigen. INF steht für Intermediate Range Nuclear Forces und ist ein Abkommen aus dem Jahr 1987 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion, das den Bau und Besitz landgestützter, atomar bewaffneter Raketen oder Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 bis 5.500 Kilometern untersagt. Russland will an dem Vertrag festhalten. 

Putin will mit US-Präsident Donald Trump auch direkt über die Austrittspläne sprechen. Eine Gelegenheit bietet sich am 11. November in Paris beim Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. "Wir sind bereit, mit unseren amerikanischen Partnern zu arbeiten", sagte der Kremlchef. 

Putin erklärte, die Entscheidung, aus dem Vertrag auszusteigen, sei in Washington schon vor langer Zeit gefallen. Die USA werfen Russland seit Längerem vor, mit der Entwicklung eines Marschflugkörpers mit dem Namen 9M729 gegen den Vertrag zu verstoßen. Die USA hätten aber keine Beweise für einen Vertragsbruch vonseiten Russlands, sagte der russische Staatschef. 

Viele Nato-Partner sehen Trumps Ankündigungen kritisch. Noch im Sommer hatten sich die Alliierten eigentlich darauf verständigt, für den Erhalt des "wegweisenden Rüstungskontrollvertrags" einzutreten. Der mutmaßliche Vertragsbruch durch Russland sollte durch Dialog aufgearbeitet und beendet werden. Bundesaußenminister Heiko Maas sprach nach Moskauer Angaben am Mittwoch auch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow über die Zukunft des INF-Vertrages. Details dazu waren aber bislang nicht bekannt.