Nachdem Deutschland einen iranischen Diplomaten nach Belgien ausgeliefert hatte, hat der Iran den deutschen Botschafter in Teheran einbestellt. "Bei dem Treffen mit dem Botschafter wurde gegen die Festnahme, Inhaftierung und Auslieferung des iranischen Diplomaten protestiert", sagte Außenamtssprecher Bahram Ghassemi einer staatlichen Nachrichtenagentur. Teheran habe erneut alle Anschuldigungen gegen seinen Diplomaten zurückgewiesen.

Am 1. Juli hatten deutsche Einsatzkräfte den iranischen Diplomaten Assadollah A. in der Nähe von Aschaffenburg festgenommen. Gegen A. lag ein europäischer Haftbefehl vor. Dem 46-Jährigen werden Spionage und Verabredung zum Mord vorgeworfen. A. gilt als mutmaßlicher Hintermann eines vereitelten Anschlags auf Exil-Iraner während einer Veranstaltung im französischen Villepinte am 30. Juni. Er soll ein in Belgien lebendes Ehepaar mit dem Anschlag beauftragt und ihm dafür eine Vorrichtung mit 500 Gramm Sprengstoff übergeben haben. Belgische Spezialeinheiten hatten das Paar mit dem Sprengstoff im Auto rechtzeitig in Brüssel gestoppt, die 25.000 Teilnehmenden blieben unverletzt.

Daraufhin stellte Belgien einen Antrag auf Auslieferung, das Oberlandesgericht Bamberg erklärte diesen am 1. Oktober für zulässig. A. hatte sich auf seine diplomatische Immunität berufen – bei der Festnahme befand er sich allerdings auf einer mehrtägigen Urlaubsreise außerhalb seines Einsatzortes in Österreich. Dort sei er nicht vor Strafverfolgung geschützt, hieß es in der Urteilsbegründung. Am Dienstag wurde A. schließlich nach Belgien ausgeliefert. Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte die Auslieferung.

Iran sieht Fall als "inszenierte Verschwörung"

Das iranische Außenministerium stuft die Angelegenheit als eine "inszenierte Verschwörung" von Gruppen ein, die die verbesserten Beziehungen Irans zur EU sabotieren wollten, sagte Sprecher Bahram Ghassemi. Er beschuldigte insbesondere die iranische Oppositionsgruppe Volksmudschahedin (MKO), hinter dem angeblichen Anschlag auf ihre eigene Versammlung zu stecken. Teheran werde sich das Recht vorbehalten, in diesem Fall juristische und diplomatische Schritte zu unternehmen, sagte Ghassemi. Beweise für seine Vorwürfe nannte er nicht.

In einem Interview der Nachrichtenagentur ISNA hatte Ghassemi die Auslieferung des iranischen Diplomaten durch ein deutsches Gericht "zutiefst" bedauert. Teheran werde den Fall bis zur endgültigen Aufklärung weiterhin intensiv verfolgen, so der Sprecher in dem Interview.