Nach einem hart geführten Wahlkampf wählen die Brasilianer am heutigen Sonntag einen neuen Präsidenten. Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro geht als Favorit in die Stichwahl am Sonntag.

Nach den letzten Umfragen kam der ehemalige Fallschirmjäger auf 55 bis 54 Prozent der Stimmen. Für Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei wollten bei der Stichwahl zwischen 46 und 45 Prozent der Brasilianerinnen und Brasilianer stimmen. Allerdings hatte Haddad in vergangenen Wochen etwas aufholen können.

Bolsonaro provoziert immer wieder mit Ausfällen gegen Frauen, Schwarze und Schwule sowie mit seiner Sympathie für die Militärdiktatur (1964–1985). Manche Beobachter nennen ihn den "Trump Brasiliens".

Bolsonaro mäßigte zuletzt seinen Ton. Im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb er: "Ich bitte Euch von ganzem Herzen: Engagiert Euch weiterhin und zeigt, dass wir die bessere Option sind." Und auf seiner Facebook-Seite hieß es: "Dieses Land ist unser aller Land. Ein Brasilien der Meinungen, der Farben und unterschiedlicher Orientierungen."

Im Falle eines Wahlsiegs will Bolsonaro das Waffenrecht liberalisieren, gegen Homoehe und Abtreibung eintreten sowie die Rechte indigener Gemeinschaften im Amazonasgebiet beschneiden. Bolsonaro möchte außerdem die Polizei zu robusten Einsätzen in den Favelas ermutigen und den Zugang zu Waffen für Privatleute vereinfachen.

Auch aufgrund der grassierenden Korruption im Land herrscht Wechselstimmung. Das erschwerte Haddad den Wahlkampf. Das Image seiner Arbeiterpartei ist nach Lateinamerikas größter Schmiergeldaffäre Lava Jato (Autowäscherei) schwer beschädigt. Haddads politischer Ziehvater, Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, sitzt wegen Korruption im Gefängnis.

Bei der ersten Runde am 7. Oktober entfielen auf Bolsonaro 46 Prozent der abgegebenen Stimmen, auf Haddad 29 Prozent.