Wenige Stunden vor dem Beginn des EU-Gipfels in Brüssel kommt die EU Großbritannien laut Medienberichten entgegen. Die Europäische Union sei bereit, die sogenannte Brexit-Übergangsphase um ein Jahr zu verlängern, berichtete die Financial Times unter Berufung auf Diplomatenkreise. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) bestätigt die Aussage und beruft sich dabei auf ein internes Dokument der Bundesregierung über die Verhandlungen.

Großbritannien sei zwar trotzdem wie vereinbart Ende März kommenden Jahres nicht mehr Mitglied der EU. Bis Ende 2021 sollen die Briten aber noch Teil des Binnenmarktes und der Zollunion bleiben dürfen. Das gebe beiden Seiten deutlich mehr Zeit für ein neues Handels- und Partnerschaftsabkommen. Außerdem solle so eine bessere Lösung im Streit um die künftige Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland gefunden werden. 

Bisher hatte die EU darauf bestanden, dass die Übergangsphase Ende 2020 endet. Der britische Handelsminister Liam Fox hatte bereits angekündigt, dass er eine längere Übergangsphase für notwendig halte, um ein Freihandelsabkommen mit der EU zu erreichen.  

Auch der Chef der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, hat vor negativen Folgen eines ungeordneten Brexit gewarnt. Das Risiko für US-Banken mit Blick auf britische Banken sei zwar gering, hinsichtlich des europäischen Bankensystems aber bedeutsamer. "Eine Verlangsamung der EU-Wirtschaft nach einem Brexit könnte indirekt die (US-)Banken treffen", sagte Powell. Es müssten "effektive Lösungen" gefunden werden, um "eine Finanzstabilitätskrise" zu vermeiden.

EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte zuletzt deutlich gemacht, dass er neue Vorschläge von der britischen Premierministerin Theresa May erwarte, um die derzeitige Blockade bei den Verhandlungen über den britischen EU-Austritt zu lösen. Der Stand der Gespräche gebe kaum Anlass zu Optimismus, sagte er.

Flussdiagramm mit den möglichen Ausgängen der Brexit-Verhandlungen

In wenigen Monaten ist es so weit: Großbritannien verlässt die Europäische Union. Aber wie? Mit Abkommen? Oder im Streit ohne einen Kompromiss? Wir veranschaulichen in einer Grafik, welche Handlungsoptionen Großbritannien verbleiben.