US-Präsident Donald Trump hat von Saudi-Arabien Auskunft über das Schicksal des in der Türkei verschwundenen Journalisten Dschamal Chaschukdschi verlangt. Er habe "auf höchster Ebene" mit Vertretern Saudi-Arabiens über Chaschukdschi gesprochen, sagte der US-Präsident am Mittwoch. "Wir wollen alles wissen", fügte er hinzu. Die US-Regierung könne nicht zulassen, dass so etwas "einem Reporter" oder "irgendjemandem" passiere. Washington sei sehr enttäuscht und werde der Sache auf den Grund gehen.

Trumps Sicherheitsberater John Bolton, Außenminister Mike Pompeo und Trumps Schwiegersohn und Berater Jared Kushner hätten in den vergangenen zwei Tagen mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman über den Fall gesprochen, sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Sie hätten "weitere Einzelheiten" besprochen und eine "transparente" Untersuchung verlangt.

Türkische Ermittler hegen den Verdacht, dass Chaschukdschi am Dienstag vergangener Woche bei einem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul getötet wurde. Saudi-Arabien weist die Verdächtigungen zurück, konnte aber bisher nicht beweisen, dass Chaschukdschi das Konsulat lebend verlassen hat. Am Dienstag stimmte Saudi-Arabien zu, dass die türkische Polizei das Konsulat durchsucht. Mit der Durchsuchung wurde allerdings bisher noch nicht begonnen. Die Polizei ermittelt gegen 15 Saudi-Araber, die am Tag des Verschwindens nach Istanbul reisten.

US-Senat hat Untersuchung eingefordert

Der Fall löste seit Tagen international Aufsehen aus. Der Regimekritiker Chaschukdschi blickt auf eine jahrzehntelange Karriere in den saudi-arabischen Medien zurück. Er war im September 2017 aus Furcht vor einer Festnahme in die USA ins Exil gegangen, wo er unter anderem für die Washington Post schrieb. Drei Tage vor seinem Verschwinden äußerte er in einem Interview mit der BBC die Sorge, bei einer Rückkehr nach Saudi-Arabien verhaftet zu werden.

Die Washington Post berichtete unterdessen in einem Artikel, dass Saudi-Arabien eine Festnahme Chaschukdschis lange geplant habe. Kronprinz Mohammed bin Salman habe angeordnet, den Journalisten von den USA nach Saudi-Arabien zu locken und ihn dort festzunehmen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Informationen der US-Geheimdienste.

Auch haben einige US-Senatoren eine Untersuchung zum Verschwinden Chaschukdschis eingeleitet. An deren Ende müsste Präsident Trump mögliche Sanktionen gegen Saudi-Arabien erwägen. Chaschukdschis Verschwinden deute auf "eine gravierende Verletzung international anerkannter Menschenrechte hin", hieß es in einem Brief des Republikaners Bob Corker, dem Vorsitzenden des Senatsausschusses für auswärtige Beziehungen, und dessen demokratischen Kollegen Bob Menendez.

Mehr als ein Dutzend Senatoren beider Parteien setzten ihre Unterschrift unter das Schreiben. Sie berufen sich mit der Untersuchung auf den Global Magnitsky Human Rights Accountability Act – ein nach dem Russen Sergej Magnitski benanntes Gesetz – das Menschenrechtsverletzungen in aller Welt ahnden soll. Es schreibt vor, dass der Präsident dem Kongress binnen 120 Tagen einen Report zum untersuchten Fall vorlegen muss.

Chaschukdschis türkische Verlobte Hatice Cengiz hatte den US-Präsidenten bereits in der Washington Post um Hilfe bei der Aufklärung des Falls gebeten. In einem Meinungsbeitrag schrieb sie, sie vertraue auf die türkischen Behörden bei den Ermittlungen, doch appelliere sie zugleich an "Präsident Trump und First Lady Melania Trump, Licht auf das Verschwinden von Dschamal zu werfen". Ihr Verlobter Chaschukdschi war in das Konsulat gegangen, um ein Dokument für die bevorstehende Heirat abzuholen.