EU-Ratspräsident Donald Tusk sieht eine Chance, bis Ende des Jahres einen Vertrag über das Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union zu unterzeichnen. Dieser Vertrag solle die Verluste beider Seiten durch den Brexit minimieren, sagte Tusk. Auf dem EU-Gipfel Mitte Oktober würden Großbritannien und die EU versuchen, ihre Debatten zu beenden oder zumindest ihre Positionen anzunähern. Wenn nötig, könne es im November einen Sondergipfel geben.

Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte, das Potenzial für eine Annäherung habe sich verbessert. "Aber es lässt sich nicht absehen, ob wir schon im Oktober zum Abschluss kommen", sagte Juncker in einem Gespräch mit den österreichischen Zeitungen Standard und Kurier sowie dem Wochenmagazin Falter. "Wenn nicht, machen wir das im November. Wir müssen Abstand nehmen von diesem Szenario eines No Deal."

Zuvor hatte es in Medienberichten geheißen, beide Seiten hätten sich in der besonders umstrittenen Frage der Grenze zwischen der Republik Irland, die weiterhin EU-Mitglied ist, und dem britischen Nordirland angenähert.

EU will keine "Rosinenpickerei"

Die britische Regierungschefin Theresa May möchte Unternehmen in ihrem Land nach dem Brexit möglichst viele Zugänge zum EU-Binnenmarkt erhalten und ist dafür bereit, zahlreiche EU-Regeln zu übernehmen. Kritikerinnen und Kritikern in ihrer Konservativen Partei geht das zu weit. Die EU wiederum lehnt Mays Verhandlungskurs als Rosinenpickerei ab. Ursprünglich sollte ein Brexit-Vertrag noch im Oktober stehen, damit die Mitgliedsstaaten genügend Zeit für die Ratifizierung bis zum Brexit Ende März 2019 haben.

Großbritannien scheidet dann aus der EU aus, doch die Gespräche über die Austrittsvereinbarung zwischen London und Brüssel treten auf der Stelle. EU-Ratspräsident Tusk hatte May aufgefordert, in den Verhandlungen mit Brüssel endlich "zur Sache zu kommen". London soll bis zum EU-Gipfel Mitte Oktober neue Vorschläge machen.