Kurz vor einer Erklärung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan im Fall des in der Türkei getöteten Journalisten Jamal Khashoggi hat der saudische Außenminister Abdel al-Dschubeir "umfassende Ermittlungen" versprochen. Alle, die für den Tod des Journalisten verantwortlich seien, würden in Haft genommen. Das Königreich fühle sich einer vollständigen Aufklärung verpflichtet. Man werde sicherstellen, "dass so etwas nie wieder passieren kann".

Der regierungskritische Journalist Khashoggi, der für die Washington Post gearbeitet hatte, war Anfang Oktober verschwunden, nachdem er Hochzeitsunterlagen im saudischen Konsulat in Istanbul abholen wollte. Nachdem Saudi-Arabien wochenlang geleugnet hatte, etwas mit dem Tod des Journalisten etwas zu tun zu haben, gestand die Regierung am Samstag ein, dass Khashoggi im Konsulat getötet worden sei. Nach der offiziellen Darstellung, die von westlichen Politikern und der Türkei als wenig glaubwürdig eingestuft wird, war es zwischen Khashoggi und mehreren Personen zu einer tödlichen Schlägerei gekommen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu bot am Dienstagvormittag gemeinsame Ermittlungen der UN, von internationalen Gerichten und anderen Institutionen an. Diese könne zusätzlich der Aufklärung dienen. "Wir haben eine gemeinsame Ermittlung mit den Saudis, aber der Istanbuler Staatsanwaltschaft führt auch eine eigene Ermittlung durch", sagte Çavuşoğlu.

Erdoğan will am Dienstag bei einem Treffen seiner AK-Partei eine Erklärung in dem Fall abgeben. Am Montag hatte ein AKP-Sprecher die Darstellung des Königreichs zurückgewiesen, wonach der Tod Khashoggis im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul ein Versehen war. Es handle sich um einen "monströs geplanten" Mord.

Auch Scholz will Stopp von Waffenexporten

Wegen der Tötung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, dass ohne eine Aufklärung keine neuen deutschen Waffenexporte nach Saudi-Arabien genehmigt würden. Dem schloss sich am Dienstag auch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) an. "Alle Erklärungsversuche Saudi-Arabiens zum Tod von Jamal Khashoggi bislang sind absolut unbefriedigend", teilte Scholz mit. Zuvor hatte sich auch Außenminister Heiko Maas (SPD) für einen solchen Schritt ausgesprochen.

Am Dienstag beginnt in der saudischen Hauptstadt Riad eine Investorenkonferenz, zu der Hunderte Banker und Manager erwartet werden. Inzwischen haben jedoch viele Politiker und Wirtschaftsführer ihre Teilnahme abgesagt, weil sie Aufklärungsbedarf im Fall Khashoggi sehen. Unter anderem US-Finanzminister Steven Mnuchin, IWF-Chefin Christine Lagarde und die Chefs von Deutscher Bank, HSBC und Credit Suisse werden nicht teilnehmen. Am Montag gab auch Siemens-Chef Joe Kaeser bekannt, nicht nach Riad zu reisen. Auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der die Verantwortung im Fall Kashoggi haben soll, sagte seine Teilnahme ab.