Der UN-Menschenrechtsausschuss hat das Verbot der Vollverschleierung in Frankreich kritisiert: Die Regelung verstoße gegen die Religionsfreiheit und die Menschenrechte der Trägerinnen, teilte das Gremium mit. Die Menschenrechtsexpertinnen und -experten seien nicht von Frankreichs Begründung überzeugt, dass das Verbot des Gesichtsschleiers nötig und angemessen sei, um ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten.

Der Ausschuss räumte Frankreich 180 Tage ein, um auf die Vorwürfe zu reagieren. Das Expertengremium war von zwei muslimischen Französinnen angerufen worden, die 2012 wegen des Tragens des Nikabs in der Öffentlichkeit eine Geldbuße zahlen mussten. Der Ausschussvorsitzende Yuval Shany sagte zwar, er und weitere Mitglieder des Gremiums sähen in dem Nikab "eine Form der Unterdrückung" von Frauen. Das Gesetz habe aber ihre Rechte verletzt, ihre religiöse Haltung zum Ausdruck zu bringen, und könnte dazu führen, dass sie nicht mehr in die Öffentlichkeit gingen. Der Ausschuss forderte Frankreich dazu auf, die Frauen zu entschädigen.  

Frankreich hatte 2010 als erstes Land in Europa den Ganzkörperschleier Burka sowie den Nikab verbannt, der das Gesicht bis auf die Augen vollständig bedeckt. Seitdem droht Frauen, die in der Öffentlichkeit eine Vollverschleierung tragen, eine Geldbuße von 150 Euro. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärte das Verschleierungsverbot in Frankreich 2014 für rechtens.

Der Menschenrechtsausschuss setzt sich aus unabhängigen Expertinnen und Experten zusammen. Seine Empfehlungen sind rechtlich nicht bindend, aber Frankreich hat sich in einem Abkommen verpflichtet, sich "in gutem Glauben" daran zu halten.