Die ungarische Regierung verbannt das Studienfach Geschlechterforschung – auch Gender-Studies genannt – aus den Universitäten des Landes. Wie zuerst das Portal 444.hu berichtete, werden die Masterkurse des Faches einem auf den vergangenen Freitag datierten Regierungserlass zufolge aus der Liste der zugelassenen Studiengänge gestrichen.

In der aktualisierten Verordnung ist an der betreffenden Stelle nur noch eine leere Zeile vorhanden. "Wir sind plötzlich verschwunden", schrieb Andrea Pető, Professorin am Institut für Geschlechterforschung der Central European University in Budapest, auf Facebook. "Das ist der Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der ungarischen Hochschulbildung."

Bereits im August hatte die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán angekündigt, das Fach nicht mehr an Universitäten zulassen zu wollen. Sie hatte dies mit der angeblich mangelnden Nachfrage nach Absolventen der Kurse begründet. Vertreter der Regierung hatten die Geschlechterforschung immer wieder angegriffen. Unter anderem warfen sie ihr vor, die "Fundamente der christlichen Familie" untergraben zu wollen.

Die Geschlechterforschung untersucht unter anderem, wie Rollenbilder von Gesellschaften geprägt werden und wie über soziale Normen festgelegt wird, was als männlich und weiblich gilt. Der Begriff Gender beschreibt die gesellschaftlich konstruierten Geschlechteridentitäten – im Gegensatz zu den biologisch festgelegten Geschlechtern.

Derzeit bieten in Ungarn die staatliche Eötvös-Loránd-Universität (ELTE) und die private amerikanische Central European University (CEU) Masterkurse in Geschlechterforschung mit jeweils rund 20 Teilnehmern an. Beide Hochschulen sind in Budapest ansässig. Die von dem US-Milliardär George Soros gegründete CEU ist durch ein neues, auf sie zugeschnittenes Hochschulgesetz von der Schließung bedroht.