Die Nato hält von diesem Donnerstag an ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges ab. Um Mitternacht übernahm der US-amerikanische Admiral James G. Foggo das Kommando über etwa 50.000 Soldatinnen und Soldaten, die an der zweiwöchigen Feldübung Trident Juncture in Norwegen beteiligt sind. Hinzu kommen 10.000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe.

Ziel der Übung ist es, ein Signal der Abschreckung an Russland zu senden und für den Bündnisfall zu trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn ein Gegner einen oder mehrere der 29 Mitgliedsstaaten angreifen würde. In der Folge müssten dann die anderen Verbündeten Beistand leisten. "Trident Juncture wird die klare Botschaft aussenden, dass wir bereit sind, alle Bündnispartner gegen jegliche Gefahr zu verteidigen", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Um glaubhaft abschrecken zu können, müsse man die Stärke des Bündnisses zeigen.

2014 begann der von Russland eingeleitete Krieg in der Ostukraine, den der Kreml nutzte, um die ukrainische Halbinsel Krim zu annektieren. Seit diesen Ereignissen drängen vor allem östliche Bündnispartner darauf, sich wieder besser für den Bündnisfall zu wappnen. Es könne nicht mehr ausgeschlossen werden, dass Russland auch in einem Nato-Land für Unfrieden oder sogar Krieg sorgen könnte, lautet die Argumentation.

Während Polen sowie die Ex-Sowjetrepubliken Lettland, Litauen und Estland von einer tatsächlichen Bedrohung ausgehen, sehen Deutschland und auch führende Nato-Militärs keine Anzeichen dafür, dass Russland einen Angriff auf einen Nato-Staat plant. Um dennoch für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, wird seit 2014 aufgerüstet und mehr geübt. Russland empfindet das als Provokation, obwohl es selbst zuletzt riesige Manöver abhielt.

Was bei Trident Juncture geschieht

In der ersten Runde des Manövers werden von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete "südliche Kräfte" einen Angriff von "nördlichen Kräften" abwehren. Letztere sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario einen Gegenangriff der "südlichen Kräfte" auf die "nördlichen Kräfte" vor.  

Hauptziel von Trident Juncture ist es, das internationale Zusammenspiel von Truppen zu trainieren. Es soll gezeigt werden, dass die Nato ihre Kräfte innerhalb kürzester Zeit in Stellung bringen, einsetzen und versorgen kann. Bei den Luftübungen geht es unter anderem darum, das Zusammenwirken von modernen Luftstreitkräften mit Patriot-Flugabwehrsystemen zu trainieren.

Mehr als 200 Milliarden Euro geben allein die Staaten der Europäischen Union jährlich für ihre Militärs aus. Bei 27 Verteidigungsarmeen doppeln sich jedoch viele Waffensysteme und Strukturen. Deutschland ist nach den USA mit rund 10.000 Soldaten größter Truppensteller bei der Übung. Für die Bundeswehr ist die Großübung eine besondere Bewährungsprobe. Sie übernimmt im kommenden Jahr die Führung der im Zuge der Ukrainekrise aufgestellten schnellen Nato-Eingreiftruppe VJTF. In Norwegen soll sie schon jetzt unter Beweis stellen, dass sie für die Aufgabe gerüstet ist.

Für Deutschland ist das Manöver zudem eine Gelegenheit, Donald Trump zu demonstrieren, dass man bereit ist, mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas zu übernehmen. Der US-Präsident fordert seit seinem Amtsantritt deutlich höhere Verteidigungsausgaben von der Bundesregierung. Er hat bereits mit einem Nato-Austritt gedroht, sollten die europäischen Alliierten nicht mehr Anstrengungen unternehmen.

In Deutschland gab es zuletzt viele Diskussionen um Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr. Exemplarisch dafür steht ein Bericht, demzufolge Soldatinnen 2015 bei einem Nato-Manöver die fehlende Bewaffnung von Transportpanzern durch schwarz angestrichene Besenstiele ersetzten. "Besenstiele an Panzern kann ich ausschließen, Besenstiele zum Reinigen unserer Unterkünfte nicht", sagte Brigadegeneral Michael Matz über den Einsatz in Norwegen. Seinen Angaben zufolge haben die deutschen Soldaten alles, was sie für eine erfolgreiche Teilnahme am Manöver brauchen.