Die Spitzen der Europäischen Union haben der russischen Regierung "aggressive Akte" vorgeworfen, nachdem neue Vorwürfe der Cyberspionage bekannt geworden waren. Der EU-Ratspräsident Donald Tusk, der Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und die Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärten gemeinsam, sie bedauerten "solche Aktionen, die das Völkerrecht und die internationalen Institutionen untergraben".

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte Russland auf, unverzüglich die Attacken auf ausländische Computer und Datennetze einzustellen. "Moskau muss seine rücksichtlose Verhaltensweise beenden", sagte der Norweger nach Beratungen bei einem Verteidigungsministertreffen in Brüssel. Er verwies zudem darauf, dass Großbritannien und die Niederlande bei ihrem Vorgehen gegen derartige Angriffe die Solidarität der Bündnispartner haben.

Die USA kündigten an, sieben russische Spione wegen des Vorwurfs der Cyberspionage anzuklagen, und versprachen ihren Verbündeten Hilfe gegen Cyberangriffe. Ebenfalls auf dem Nato-Treffen in Brüssel sagte US-Verteidigungsminister James Mattis: Neben Großbritannien, Dänemark, den Niederlanden und Estland hätten auch die Vereinigten Staaten zugesagt, "nationale Cyberbeiträge bereitzustellen, um der Nato zu helfen, in diesem wichtigen Bereich zu kämpfen". Auch Mattis verurteilte die jüngsten Russland zugeschriebenen Attacken. Wie eine konkrete Reaktion aussehen könnte, sagte er nicht. Wie reagiert werde, sei eine "politische Entscheidung der beteiligten Nationen". Die USA stünden "Seite an Seite" mit den Niederlanden und Großbritannien.

Vorwürfe aus Großbritannien

Der britische Außenminister Jeremy Hunt hatte zuvor dem russischen Militärgeheimdienst GRU vorgeworfen, für eine Serie von Cyberangriffen weltweit verantwortlich zu sein – unter anderem auf das britische Außenministerium, die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die ukrainischen Verkehrsnetze und auf die US-Präsidentschaftswahlen 2016. Er sagte, es gebe handfeste Beweise gegen den russischen Dienst. "Wir werden mit unseren Verbündeten diskutieren, welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden sollten." Hunt hält weitere Sanktionen gegen Russland für möglich.

Ebenfalls wegen des Verdachts auf Spionage hatten zuvor die Niederlande vier Russen ausgewiesen. Sie hätten einen Angriff gegen die in Den Haag ansässige Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) geplant, sagte die niederländische Verteidigungsministerin Ank Bijleveld-Schouten. Die niederländischen Geheimdienste hätten die Operation vereitelt.

Russland spricht von Desinformation

Russland weist alle Vorwürfe zurück. Sie seien Teil einer Desinformationskampagne, um russischen Interessen zu schaden, und stammten von Menschen mit einer "blühenden Fantasie", teilte das Außenministerium mit.

Hackergruppen wie Fancy Bear oder Sandworm verüben seit Jahren schwere Angriffe auf Datennetze im Westen. Expertinnen und Experten ordneten sie schon länger russischen Geheimdiensten zu – jetzt erheben die Regierungen in London, Den Haag und Australien auch offizielle Vorwürfe.

Die Beziehung zwischen Großbritannien und Russland ist ohnehin belastet. Die britische Regierung in London wirft der russischen in Moskau vor, für die Vergiftung des russischen Ex-Agenten Sergej Skripal im englischen Salisbury im März verantwortlich zu sein. Russland streitet das ab.