Das Außenministerium in Moskau hat den niederländischen Botschafter einbestellt und protestiert damit gegen Spionagevorwürfe der Regierung in Den Haag gegen den russischen Geheimdienst GRU. "Wegen der Desinformationskampagne wird der niederländische Botschafter ins Außenministerium einberufen", zitiert die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti einen Ministeriumssprecher.

In der vergangenen Woche hatten die Niederlande Russland einen Hackerangriff auf die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag vorgeworfen. Vier russische Staatsangehörige, mutmaßlich alle im Dienst des Militärgeheimdienstes GRU, sollen im vergangenen April versucht haben, in das Netzwerk der Organisation einzudringen – zu einem Zeitpunkt, als die Chemiewaffenexperten gerade mutmaßliche Giftgasattacken in Syrien sowie die Nervengiftattacke auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julija in Großbritannien untersucht haben.

Die niederländischen Behörden haben diese Angriffe nach eigenen Angaben vereiteln können, als sie unweit des OPCW-Sitzes in dem Parkhaus eines Hotels ein Auto voller elektronischer Ausrüstung entdeckten. Mithilfe der Technik wollten die mutmaßlichen Agenten in das WLAN-System der Organisation eindringen und Computerpasswörter stehlen. Als Beleg für ihre Anschuldigungen präsentierten die Niederlande unter anderem die Diplomatenausweise der mutmaßlichen Agenten, die sie aus dem Land auswiesen.

Kreml sieht "keine ausreichenden Belege"

Russland wies die Anschuldigungen als unbegründet zurück. Es gebe "keine ausreichenden Belege", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalisten in Moskau. Der Kreml wolle über das Thema künftig nicht mehr "über die Medien" sprechen.

Damit zielte er auch gegen die Vorwürfe weiterer westlicher Regierungen gegen die Regierung in Moskau, die diese ebenfalls Ende vergangener Woche erhoben hatten. Ziel der gemeldeten Attacken in den USA, Kanada, Australien, Großbritannien und Deutschland sollen politische Institutionen, Unternehmen, Medien und Sportinstitutionen gewesen sein, darunter die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada.

Großbritannien veröffentlichte zudem eine Liste mit insgesamt zwölf Hackergruppen, hinter denen Russland stehen soll. Darunter ist auch APT 28 – eine Gruppe, die auch unter dem Namen Fancy Bear bekannt ist, die im Frühjahr 2015 in das Netz des Bundestages eingedrungen und während des amerikanischen Wahlkampfs 2016 Computer der US-Demokraten infiltriert haben soll. Bei dem Angriff in Deutschland hatten sich die Angreifer einen so weitreichenden Zugang verschafft, dass die Bundestags-IT ausgetauscht werden musste. Regierungssprecher Steffen Seibert äußerte nun erstmals öffentlich die Anschuldigung, dass die GRU hinter dem Angriff steckt.