In der Türkei sitzt ein Deutscher seit mehreren Wochen wegen des Vorwurfs der Präsidentenbeleidigung im Gefängnis. Wie das Auswärtige Amt mitteilte, werde der Mann konsularisch betreut. Wie zunächst der Spiegel berichtet hatte, wurde der Braunschweiger Hüseyin M. während eines Urlaubs im türkischen Küstenort Kuşadası festgenommen. Sein Prozess soll am 11. Oktober in Ankara beginnen.

Laut dem Bericht drang eine Antiterroreinheit in der Nacht vom 24. auf den 25. August in das Haus der Schwiegereltern von M. ein, um ihn in Haft zu nehmen. Auf dem Revier sagten ihm die Polizisten, dass er in den Jahren 2014 und 2015 den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan auf Facebook beleidigt habe, was M. jedoch abstritt. Anschließend kam er in ein Krankenhaus, damit Ärzte seinen Gesundheitszustand protokollieren konnten und er den Beamten im Nachhinein keine Folter vorwerfen konnte.

Laut dem Bericht wurde der 1976 im osttürkischen Tunceli geborene Schlosser zunächst von einer Richterin freigelassen, aber mit einer Ausreisesperre belegt. Da er keinen Wohnsitz in der Türkei habe, sei er später jedoch erneut festgenommen worden und sei seitdem in der Küstenstadt Söke im Gefängnis.

Die türkische Staatsanwaltschaft fordere nun wegen Präsidentenbeleidigung vier Jahre Haft, berichtete das Magazin. M. habe ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft und damit das Recht auf konsularische Betreuung. Die Familie habe bereits mehrere deutsche Politiker um Hilfe gebeten, darunter den früheren Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), dem gute Beziehungen zum türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu nachgesagt werden. Nach Angaben des Auswärtigen Amts befinden sich derzeit fünf deutsche Staatsbürger aus politischen Gründen in türkischer Haft. Nach dem gescheiterten Putschversuch entließ Erdogan Tausende Beamte, Lehrer und andere Kritiker, ein Teil kam in Haft.