Donald Trump hat die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi verurteilt. Die Tötung sei "inakzeptabel" und ein "furchtbares Ereignis", das nicht "unbemerkt" geblieben sei, sagte er in der Nacht zu Samstag. Er halte den Fall noch nicht für restlos aufgeklärt. Trump reagierte damit auf die Bestätigung Saudi-Arabiens, der Journalist sei in der Istanbuler Botschaft des Königreichs nach einem Streit umgebracht worden. Seit dem Verschwinden Khashoggis am 2. Oktober hatte das Königreich immer wieder dementiert, dass der Journalist in der Botschaft getötet worden sei und sich überhaupt noch dort befinde.

"Ein guter erster Schritt", sagte Trump

Über mögliche Konsequenzen äußerte Trump sich zurückhaltend. Er wolle zunächst mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman sprechen, ehe er nächste Schritte ergreife, sagte Trump. Es sei aber "guter erster Schritt" und wichtig gewesen, dass das Königreich Festnahmen in dem Fall verkündet habe. Saudi-Arabien hatte bekannt gegeben, dass 18 Verdächtige festgenommen worden seien, die für den Mord an Khashoggi verantwortlich sein sollen.

Über den Umfang einer Reaktion der Vereinigten Staaten will Trump sich mit dem Kongress abstimmen, sagte er. Ihm schwebe "eine Form von Sanktion" vor. Doch würde er es vorziehen, wenn amerikanische Unternehmen und Jobs nicht unter einer milliardenschweren Kürzung von Waffendeals mit dem Königreich leiden müssten, sagte Trump. Saudi-Arabien ist ein wichtiger Verbündeter der USA, sie beliefern das Königreich unter anderem mit Waffen.

Auf die Frage, ob er die Erklärung Saudi-Arabiens für glaubwürdig halte, sagte Trump: "Das tue ich. Aber nochmals, ich meine, es ist früh, wir haben unsere Überprüfung noch nicht abgeschlossen." Der Präsident fügte hinzu: "Ich denke, wir kommen der Lösung eines sehr großen Problems nahe." Die saudische Führung habe einen "vollständigen Bericht" angekündigt.

US-Abgeordnete zweifeln an der Darstellung

Mitglieder des US-Kongresses zweifelten die Darstellung Saudi-Arabiens zum Tod des Journalisten an. "Es wäre eine Untertreibung, zu sagen, dass ich der neuen saudischen Schilderung zum Tod von Herrn Khashoggi skeptisch gegenüberstehe", schrieb der republikanische US-Senator Lindsey Graham auf Twitter. Eliot Engel, der ranghöchste Vertreter der Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses, teilte mit: "Die Erklärung der saudischen Behörden von heute Nacht ist einfach nicht glaubwürdig, besonders, weil sich die Geschichte in den vergangenen Tagen so stark geändert hat." Er forderte die US-Regierung auf, Druck für eine "gründliche und transparente Untersuchung" auszuüben. 

UN-Generalsekretär António Guterres sagte, er sei "zutiefst beunruhigt" über den gewaltsamen Tod des Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat. Guterres' Büro bekräftigte am Freitag in New York, eine "unmittelbare gründliche und transparente Untersuchung" der Umstände von Khashoggis Tod sei notwendig.

Saudi-Arabien hatte zuvor zugegeben, dass Khashoggi im Konsulat getötet worden war. Ein Streit sei eskaliert und habe zu Khashoggis Tod geführt, berichteten Staatsmedien. Das Königreich hatte bisher wochenlang behauptet, der Journalist habe das Konsulat nach seinem Besuch am 2. Oktober wieder verlassen.

Seit 2017 war Khashoggi im Exil gewesen

Jamal Khashoggi war einer der bekanntesten Journalisten Saudi-Arabiens. Er interviewte unter anderem Osama bin Laden, als dieser 1987 noch in Afghanistan gegen sowjetische Soldaten kämpfte. Khashoggi war, bevor er in die USA ins Exil ging, Korrespondent und Mitglied der Chefredaktionen einiger der wichtigsten Medien Saudi-Arabiens gewesen.

Im Sommer 2017 war Khashoggi aus Angst vor Verfolgung in die USA ins Exil geflohen. Er hatte das Land verlassen, weil er die Politik des Kronprinzen Mohammed bin Salman mehrfach öffentlich kritisiert hatte. Khashoggi hatte eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in den USA und schrieb dort unter anderem für die Washington Post. Die Zeitung veröffentlichte am Mittwoch die letzte Kolumne des Autors.