Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich gegen einen Stopp der Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien ausgesprochen. Die Forderungen nach einem Embargo im Zusammenhang mit dem Fall Khashoggi seien "reine Demagogie", sagte Macron in der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Waffenlieferungen an das Königreich hätten "nichts mit Herrn Khashoggi zu tun". Man dürfe nicht alles durcheinanderbringen.

Zuvor war Macron der Frage nach einem Waffenembargo gegen Saudi-Arabien ausgewichen. Während einer Pressekonferenz auf einer Schiffsbaumesse Anfang der Woche verlor er sogar kurz die Fassung und reagierte wütend auf die Frage von Journalisten, wie er zu der Debatte um Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien stehe. Die Frage habe "hier nichts zu suchen", sagte er. Nur weil ein Staatschef etwas sage, "muss ich nicht jedes Mal gleich reagieren", sagte Macron.

Er spielte damit auf die deutsche Regierung an. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Wochenende angekündigt, wegen des gewaltsamen Todes des Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul vorerst keine Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien mehr zu genehmigen.

Auch das Europaparlament hatte die EU aufgerufen, ein Embargo für die Ausfuhr von Waffen nach Saudi-Arabien zu verhängen. Mehrere Mitgliedsländer sind allerdings dagegen. Für viele Staaten geht es um viel Geld und wichtige wirtschaftliche Beziehungen. Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez etwa warnte, dass ein Sanktionsbeschluss gegen Saudi-Arabien massiv Jobs in seinem Land gefährden könnte.

Und auch in Frankreich hängt viel von guten Beziehungen zu Saudi-Arabien ab. Das Land ist der größte Erdöllieferant Frankreichs und der zweitgrößte Abnehmer von Rüstungsexporten. Nur Ägypten kauft mehr Waffen von Frankreich als Saudi-Arabien. Der saudische General Ahmed al-Asiri, der verdächtigt wird, an dem Mord an Khashoggi beteiligt gewesen zu sein, wurde an der französischen Militärschule Saint-Cyr ausgebildet.