Die USA haben Russland zum Stopp der Entwicklung neuer Atomraketen aufgefordert. Der Bau des Systems 9M729 verstoße gegen den INF-Vertrag aus dem Kalten Krieg, der Mittelstreckenraketen verbiete, sagte die US-Botschafterin bei der Nato, Kay Bailey Hutchison. Die Rakete könne Staaten in Europa und die USA selbst treffen und würde damit gegen das Abkommen verstoßen. Falls sie lieferfertig werde, würden die USA Möglichkeiten prüfen, sie auszuschalten. Die USA zögen zwar eine diplomatische Lösung vor, seien aber auch bereit, einen Militärschlag in Erwägung zu ziehen.

Russland bezeichnete die Erklärung der US-Botschafterin als gefährlich. "Es scheint, dass sich Leute, die solche Erklärungen abgeben, nicht über ihr Maß an Verantwortung und die Gefahren aggressiver Rhetorik im Klaren sind", sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Russland hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.

US-Verteidigungsminister James Mattis kündigte an, das Thema bei einem Treffen mit seinen Nato-Kollegen zu erörtern. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat sich bereits zu den Vorwürfen gegenüber Russland geäußert. Er forderte das Land "dringend" auf, zu den Anschuldigungen einer Verletzung des INF-Vertrags über atomwaffenfähige Mittelstreckenraketen Stellung zu nehmen. Die Regierung in Moskau sei bisher glaubwürdige Antworten schuldig geblieben, sagte Stoltenberg. "Plausibelste" Erklärung für die Nato-Mitglieder sei, "dass Russland gegen den Vertrag verstößt".

Dieser verpflichtet die USA und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion zur Abschaffung aller landgestützten, nuklear bestückbaren Mittelstreckenraketen mit Reichweiten zwischen 500 und 5.500 Kilometern. Das Raketensystem 9M729 wird im Westen auch als SSC-X-8 bezeichnet. Die Nato geht davon aus, dass seine Reichweite in dem im INF-Vertrag genannten Bereich liegt.

USA droht mit Aufrüstung

Im Dezember 2017 hatte die Nato erstmals angegeben, russische Raketensysteme identifiziert zu haben, die ernsthafte Bedenken an der Vertragstreue Moskaus hervorriefen. Russland wirft seinerseits den USA vor, durch die Stationierung einer Nato-Raketenabwehrbasis in Rumänien gegen den Abrüstungsvertrag verstoßen zu haben.

US-Botschafterin Hutchison sagte, die USA wollten den INF-Vertrag nicht verletzen, doch Russland werde ihnen womöglich in Zukunft keine andere Wahl lassen. "Es wird in der Zukunft einen Punkt geben, an dem Amerika entscheiden wird, dass es eine Entwicklungsphase weiterführen muss, die im Vertrag derzeit nicht erlaubt ist", sagte sie.