Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow, der seit August vergangenen Jahres in Hausarrest sitzt, muss sich wegen des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Mittel vor Gericht verantworten. In einem Moskauer Stadtgericht fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit die erste Anhörung statt.

Eine Gerichtssprecherin teilte nach dem Prozessauftakt mit, dass der Hausarrest für Serebrennikow bis zum 3. April 2019 verlängert worden sei. Ein Antrag der Verteidigung, den Arrest zu beenden, sei abgelehnt worden. Die erste öffentliche Anhörung soll am 25. Oktober stattfinden.

Serebrennikow ist ein renommierter Regisseur für Oper, Theater und Film, der das Gogol-Zentrum leitet, ein Avantgardetheater in Moskau. Seine Stücke werden auch in Deutschland aufgeführt. Das russische Kulturministerium hatte dem Künstler vorgeworfen, zwischen 2011 und 2014 staatliche Subventionen in Höhe von umgerechnet 1,8 Millionen Euro veruntreut zu haben. Nach Darstellung der Anklage soll Serebrennikow Zuwendungen für Aufführungen bekommen haben, die nie stattgefunden hätten. Drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Serebrennikows Produktionsfirma Siebtes Studio sind ebenfalls angeklagt. Serebrennikow weist alle Vorwürfe zurück.

Kein Internet, keine Briefe, kein Kontakt nach außen

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe verhängte die Justiz Hausarrest für Serebrennikow. Damit ist es dem 49-Jährigen nur mit einer speziellen gerichtlichen Erlaubnis gestattet, seine Wohnung zu verlassen. Austauschen darf er sich nur mit seinem Verteidiger, Internetzugang ist ihm verwehrt, er darf keine Post verschicken.

Nach dem Gerichtstermin kündigte Serebrennikows Anwalt Dmitri Charitonow an, rund 400 Zeugen vorzuladen, die die Unschuld seines Mandanten belegen sollten. "Wir wollen alle Teilnehmer der Theaterprojekte ins Gericht bitten. Sie sollen bezeugen, dass die Vorstellungen stattgefunden haben", sagte Charitonow der Nachrichtenagentur Tass. Beweise der Verteidigung seien immer wieder aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt worden, legte der Verteidiger dar. Außerdem warf er den Ermittlern vor, in ihrer Arbeit nicht objektiv vorgegangen zu sein.

In den Augen vieler Kritiker ist das Motiv hinter den Anschuldigungen politisch. Manche werten den Prozess als Versuch der Regierung, die ganze kritische Kulturszene in Russland mundtot zu machen. Der Fall Serebrennikow sei ein Exempel.