«People's Vote» - Hunderttausende demonstrieren für ein neues Brexit-Votum In London haben mehr als 600.00 Menschen gegen den Brexit demonstriert. Die EU-Anhänger forderten eine zweite Volkabstimmung über den Austritt Großbritanniens aus der EU. © Foto: Louise Wateridge/ZUMA Wire/dpa

Hunderttausende Britinnen und Briten haben für ein erneutes Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens demonstriert. Bei der Großkundgebung People's Vote March in London forderten die Teilnehmenden, über das finale Austrittsabkommen, das die britische Regierung mit der EU derzeit verhandelt, noch einmal abstimmen zu dürfen. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich etwa 670.000 Personen an der Demonstration.

Viele Demonstranten nahmen weite Anreisen auf sich, etwa von den mehr als 1.000 Kilometer entfernten Orkney-Inseln vor der Nordküste Schottlands. Auch Vertreter aus der britischen Politik waren unter den Demonstrierenden: Mehrere EU-freundliche Abgeordnete der Konservativen, die die britische Regierung stellen, nahmen an der Kundegebung teil. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan von der Labour-Partei beteiligte sich am Protestzug vom Hyde Park in Richtung des britischen Parlaments. Auf Twitter schrieb der Bürgermeister von einem "historischen Moment".  

Bei einem Referendum im Jahr 2016 hatte eine knappe Mehrheit für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestimmt. Ende März 2019 soll der Brexit vollzogen sein. Die Verhandlungen zwischen London und Vertretern der EU sind bisher noch zu keinem endgültigen Ergebnis gekommen. Sollte keine Einigung erzielt werden, würde Großbritannien die Staatengemeinschaft ohne ein Abkommen und damit ohne klare Regeln verlassen. 

Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU über die Bedingungen des Brexit brachten bislang keine Einigung. Viele Briten sorgen sich, dass ihr Land ohne vertragliche Rahmenvereinbarung aus der EU austreten könnte. Sie fürchten unter anderem wirtschaftliche Konsequenzen

Flussdiagramm mit den möglichen Ausgängen der Brexit-Verhandlungen

In wenigen Monaten ist es so weit: Großbritannien verlässt die Europäische Union. Aber wie? Mit Abkommen? Oder im Streit ohne einen Kompromiss? Wir veranschaulichen in einer Grafik, welche Handlungsoptionen Großbritannien verbleiben.


Zuletzt mehrten sich in Großbritannien die Stimmen, die deshalb ein neues Referendum fordern. Der ehemalige britische Premierminister Tony Blair macht sich schon länger dafür stark. Premierministerin Theresa May hatte am Mittwoch jedoch bekräftigt, dass es keinen zweiten Volksentscheid geben werde. Die Menschen hätten abgestimmt, und der Brexit werde umgesetzt.

Die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon erklärte dagegen in einer Video-Botschaft ihre Unterstützung für die Forderung nach einem zweiten Referendum. Sie erinnerte daran, dass die 35 Abgeordneten ihrer Schottischen Nationalpartei (SNP) im britischen Unterhaus ebenfalls dafür stimmen würden, falls ihnen die Frage gestellt werden sollte.