Das Parlament von Mazedonien hat am Freitag den Weg für eine Umbenennung des Landes in Republik Nordmazedonien freigemacht. Nach tagelanger Debatte stimmten 80 von 120 Abgeordneten am Abend für den Vorschlag der Regierung. Dank der notwendigen Zweidrittelmehrheit kann nun die Regierung das Verfahren für die Änderung des Namens in der Verfassung einleiten, sagte Parlamentssprecher Talat Xhaferi.

Das Parlamentsvotum ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Beilegung des jahrzehntelangen Namensstreits mit Griechenland. Die Verfassungsänderung sieht nicht nur einen neuen Staatsnamen vor: Es geht auch um die Zusicherung der territorialen Unversehrtheit der Nachbarländer sowie um die Feststellung, dass die Unterstützung der Auslandsmazedonier "kulturell, wirtschaftlich und sozial", aber nicht politisch sei.
Hinter dem Streit mit Griechenland steht Athens Furcht, der Nachbarstaat könnte mit der Landesbezeichnung Mazedonien Ansprüche auf die nordgriechische Provinz Makedonien erheben. Wegen des Konflikts blockierte Griechenland bislang eine Aufnahme der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik in die EU und die Nato. Bei der UN firmierte das Land deshalb bis jetzt unter dem Namen Frühere jugoslawische Republik Mazedonien, englisch abgekürzt FYROM.

Die Regierung in Athen begrüßte die Entscheidung des Parlaments in Skopje. "Der erste große Schritt für das Inkrafttreten des historischen Abkommens ist gemacht", schrieb der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos auf Twitter. "Wir machen weiter auf dem Weg zum Frieden, der Freundschaft und der Zusammenarbeit auf dem Balkan", fügte er hinzu.

In einer nicht bindenden Volksabstimmung hatten Ende September mehr als 90 Prozent der mazedonischen Bürger für die Umbenennung gestimmt. Das Referendum scheiterte allerings am Quorum. Mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten hätten abstimmen müssen, doch die Beteiligung lag bei lediglich 34 Prozent.

Der Konflikt begann 1991, als sich die bisherige jugoslawische Teilrepublik für unabhängig erklärte und den Namen Mazedonien gab. Nach Auffassung der Griechen ist das alte Königreich Makedonien mit dem Herrscher Alexander dem Großen ein integraler Bestandteil des eigenen Landes und des kulturellen Erbes. Wenn sich die Republik Mazedonien so nenne, erhebe sie damit implizit auch Ansprüche auf das griechische Makedonien. Mazedonische Vertreter argumentieren hingegen, ihr Land sei seit langer Zeit als Mazedonien bekannt.

Auch Griechenland muss das Abkommen zur Namensänderung noch im Parlament annehmen. Doch auch in Athen gibt es Probleme, eine Mehrheit zu finden. Der Streit führte in dieser Woche zum Rücktritt des griechischen Außenministers Nikos Kotzias. Der kleinere Koalitionspartner, die rechtspopulistische Partei Unabhängige Griechen (Anel), lehnt die Umbenennung in Republik Nordmazedonien ab. Kotzias befürwortet die Umbenennung und trat offenbar zurück, weil er nicht genügend Unterstützung von Tsipras bekommen habe, berichteten griechische Medien.